Nestlé setzt 5G-Netzwerk für Fabrikbetrieb ein

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Nestlé, Ericsson, Claro und Embratel führen nach eigenen Angaben das erste 5G-Standalone-Privatnetz in Lateinamerika ein. Dabei handelt es sich um ein völlig vom öffentlichen Mobilfunknetz gentrenntes Netz. Es soll die Sicherheit der Umgebung erhöhen und somit den Umgang mit vertraulichen Daten verbessern.

Auch für Nestlé ist dies eine Weltpremiere, wie der Schweizer Lebensmittelhersteller mitteilt. So markiert 5G den Übergang von einer automatisierten zu einer autonomen Fabrik, eines der zentralen Bestreben von Nestlé im Hinblick auf Industrie 4.0. Das neue Netz ermöglicht nicht nur eine beschleunigte Datenverarbeitung mit Übertragungsgeschwindigkeiten, die 25-mal schneller sind als 4G. Es lassen sich darüber hinaus geschäftskritische Anwendungen einführen, die Reaktionszeiten von nur wenigen Millisekunden erfordern.

Nach Angaben des Unternehmens wird das 5G-Netz das eigene industrielle Umfeld erheblich verändern, indem es die Arbeitsweisen umgestaltet und die Produktivität, Effizienz und Sicherheit erhöht. Hierfür nutzt das Projekt experimentelle Frequenzen, die von Claro lizenziert wurden.

Nestlé hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren schon eine Reihe von neuen Technologien eingeführt, darunter Robotik, Automatisierung, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, virtuelle Realität und autonome Fahrzeuge. Mit dem neuen privaten 5G-Standalone-Netz wird dieses digitale Ökosystem noch zuverlässiger und ermöglicht ganz neue Anwendungsfälle.

„Mit diesem beispiellosen Projekt, das die Vorteile von 5G für die Industrie 4.0 aufzeigen wird, sticht der brasilianische Nestlé-Betrieb im weltweiten Vergleich heraus. Wir werden unsere Prozesse weiter optimieren und dadurch erhebliche Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen erzielen. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Innovation und der digitalen Transformation von Nestlé in Brasilien. Insbesondere unsere Fabrik in Caçapava gilt dabei als Aushängeschild. Sie ist für die Entwicklung neuer Technologien bekannt, die später in anderen industriellen Einheiten des Unternehmens eingesetzt werden“, sagt Marcelo Melchior, CEO von Nestlé Brasilien.

Zu den Vorteilen des privaten 5G-Netzes gehören für Nestlé die Vereinfachung der physischen Fabrikumgebung und die Möglichkeit, eine große Anzahl von Geräten mit demselben Netz zu verbinden. Laut Rodrigo Dienstmann, Ericssons Präsident für den südlichen Teil Lateinamerikas, wird diese neue Lösung Nestlé helfen, seine digitale Transformation rasch voranzutreiben.

Ein weiterer Pluspunkt: Dem Ericsson-Manager zufolge ist diese Art von Netzwerk sehr widerstandsfähig gegen Eindringlinge und Angriffe. So ermöglicht 5G auch kritischen Betrieben, die strengsten Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Außerdem bietet es eine zuverlässige Abdeckung in der gesamten Industrieanlage, sowohl intern als auch extern, und ermöglicht die volle Kontrolle über die angeschlossenen Geräte, ohne dabei zusätzliche Kosten pro Gigabyte Daten zu erzeugen.

„5G-Netze bieten neue Möglichkeiten für Innovationen und sind eine entscheidende Komponente von Industrie 4.0, da sie eine angemessene Infrastruktur, Unterstützung, Stabilität und Latenz bieten. Außerdem werden Fabriken durch autonome Systeme, die die betriebliche Effizienz von Nestlé steigern, auf eine höhere Stufe der Digitalisierung gebracht. Nicht zu vergessen ist, dass neue, hoch innovative Anwendungen implementiert werden können“, erklärt José Formoso, CEO von Embratel.

Claro und Embratel haben ein Innovationszentrum namens beOn Claro eingerichtet, um die Interaktion und den Dialog mit den Akteuren der offenen Innovationsgemeinschaft zu ermöglichen. „Das Ziel ist es, Hardware- und Software-Initiativen zu entwickeln, die Probleme auf innovative und effiziente Weise lösen. All dies geschieht unter Nutzung der Claro-Assets wie Technologie, Infrastruktur und Talent. So sollen neue Unternehmen beschleunigt und entwickelt werden, die den Anforderungen verschiedener Sektoren entsprechen. In diesem Zusammenhang ist die Partnerschaft mit Nestlé von grundlegender Bedeutung für die Förderung praktischer Anwendungen von Industrie 4.0“, betont Rodrigo Modesto Duclos, Direktor für Innovation und Digital bei Claro.

Etwas Ähnliches anderswo

Im August installierten Nokia und AT&T ein privates LTE-Netz im Hafen von APM Terminals in Yucatán, Mexico. Dies war die erste Einrichtung privater Mobilfunknetze in einem Seehafen des Landes. Bei diesem Projekt kommen das mexikanische Spektrum von AT&T und die Nokia Digital Automation Cloud (DAC)-Plattform zum Einsatz.

„Dies ist das erste private Mobilfunknetz für die Geschäftseinheit von AT&T Mexiko. Die Anforderungen unserer Kunden entwickeln sich ständig weiter und wir halten mit ihnen Schritt. Dies gelingt uns zum Beispiel mit privaten Netzen, die immer wichtiger werden, vor allem in Industrie 4.0-Umgebungen mit vielen vernetzten Geräten, wo Datenschutz, Datenkontrolle und Leistung entscheidend sind“, sagt Gabriel Fernández, Director of Innovation and IoT bei AT&T Mexiko.

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen wird das 4,9G-LTE-Netz Breitbandkonnektivität, geringere Latenzzeiten und eine höhere Vorhersagbarkeit bieten und eine Fläche von 11,5 Hektar abdecken. Dadurch werden Arbeiter, IoT-Sensoren, Geräte und Hafenfahrzeuge miteinander verbunden. Es wird erwartet, dass das neue Netz Anwendungen wie ferngesteuerte und autonome Kranoperationen an Piers und Werften unterstützt.

Nokia bietet nach eigenen Angaben eine Plattform für Industrie 4.0 an, die speziell auf die unternehmenskritischen Anforderungen an anlagenintensive Industrien wie Hafenterminals zugeschnitten ist.

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