Nachhaltig und digital: So sieht die Infrastruktur der Zukunft aus

https://network-king.net/wp-content/uploads/2023/01/shutterstock_1296932794-769x414.jpg

Preisschwankungen, Inflation und eine eventuelle Rezession: Aktuelle makroökonomische Trends geben Investoren jeden Anlass zur Sorge. Viele Geldgeber haben sich daher der Infrastruktur zugewandt: Laut einer PitchBook-Studie haben Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen in den letzten 15 Jahren stark zugenommen. Hierzu zählen Solar- und Windparks sowie Krankenhäuser, die auf eine nachhaltige Art und Weise den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung verbessern.

Das Fundraising für digitale Infrastrukturen hat in den letzten 15 Jahren ebenfalls rapide zugenommen und wird diesen Trend vermutlich weiter fortsetzen. Das ist nicht nur aufgrund der Digitalisierung der Wirtschaft zu erwarten: Auch technologische Entwicklungen wie KI und maschinelles Lernen spielen eine Rolle, indem sie den Bedarf an Daten erhöhen. Zuletzt wird die Digitalisierung der Infrastruktur durch bereitere politische sowie behördliche Unterstützung vorangetrieben.

Viele der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren, die die Finanzierung nachhaltiger sowie digitaler Infrastrukturen begünstigt haben, werden der PitchBook-Studie zufolge auch in Zukunft anhalten – wenn nicht sogar zunehmen. Der Grund dafür sind nicht zuletzt das Bevölkerungswachstum und die Globalisierung der Wirtschaft: In beiden Bereichen wird es immer wichtiger, einerseits natürliche Ressourcen mithilfe der Infrastruktur zu erhalten bzw. optimiert zu nutzen und andererseits die Konnektivität zu verbessern.

Darstellung des Infrastruktur-Fundraising (in USD) von 2013 bis 2022

Geografisch gesehen dominierten im Jahr 2022 die nordamerikanischen Fonds die Fundraising-Landschaft – sowohl was die Anzahl als auch die Größe der in der Region aufgelegten Fonds betrifft. Bis einschließlich des dritten Quartals wurde in Nordamerika mehr Kapital in Fonds investiert als in jedem anderen Jahr zuvor: 71,9 Milliarden US-Dollar (USD), was 75,5 % des Gesamtkapitals von 2022 entspricht.

Im Gegensatz dazu verzeichnete Europa eines seiner schwächsten Fundraising-Jahre in der jüngeren Geschichte: Nur 17,4 Mrd. USD wurden dort zugesagt, was 18,3 % des in Q3 2022 aufgenommenen Kapitals entspricht. Dies war eine Kehrtwende im Vergleich zu 2021, als 54,3 % der Geldmittel auf europäische und 30,2 % auf nordamerikanische Fonds entfielen.

Da Nordamerika und Europa in der Vergangenheit einen ziemlich gleichen Anteil an Kapital aufgebracht haben, sind diese Veränderungen ungewöhnlich. Sie dürften aber in den kommenden Jahren zum Status Quo werden.

Nachhaltige Infrastruktur

Beispiele für ökologisch nachhaltige Infrastrukturinvestitionen sind Anlagen für erneuerbare Energien. Dazu zählen Solar- oder Windparks sowie Systeme zur CO2-Bindung. Sozial nachhaltige Investitionen in die Infrastruktur bieten sich beispielsweise für Krankenhäuser an, die den Zugang zur medizinischen Grundversorgung verbessern. Auch Schulen, die die Chancen auf Bildung steigern, können davon profitieren.

Die EU-Energiekrise hat die Notwendigkeit erneuerbarer Energien und einer Abkehr von fossilen Brennstoffen in den Fokus gerückt. Paradoxerweise hat die Situation die Mitgliedsstatten gleichzeitig dazu veranlasst, zu kohlenstoffintensiver Energie zurückzukehren. Das wirft die Frage auf, wie nachhaltig zukünftige europäische Infrastrukturinvestitionen sein werden. Nach Ansicht von Anikka Villegas (der Autorin der PitchBook-Studie) hat die Krise die Fortschritte der EU im Kontext der Kohlenstoffreduzierung vermutlich lediglich verlangsamt. Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen würden aber aller Wahrscheinlichkeit nach fortbestehen. Schließlich fänden fossile Brennstoffe nur als kurzfristige Übergangshilfe Verwendung: Der Wechsel zu kohlenstoffarmen, erneuerbaren Energien habe in der EU weiterhin Priorität.

Anikka zufolge ist der gesellschaftspolitische Rückenwind für nachhaltige Infrastrukturinvestitionen in der EU beständig. Was ihn zusätzlich verstärkt, sind die immer größer werdende Dringlichkeit des Klimawandels und seine Auswirkungen. Da immer mehr europäische Länder saubere Energien einsetzen und auf ein zusammenhängendes energetisches Netzwerk hinarbeiten, ergeben sich Netzeffekte. Diese werden erneuerbare Energien noch kosteneffizienter machen und so ihre Verbreitung beschleunigen. Schon heute ist es günstiger, Kraftwerke für erneuerbare Energien zu bauen und zu betreiben als Kohle- oder Gaskraftwerke.

Die laufenden technologischen Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeit können auch traditionellen Infrastrukturanlagen zugutekommen. So könnten beispielsweise autonome Elektrofahrzeuge die Kapazität von Mautstraßen vervierfachen und damit deren Rendite steigern. Die zunehmende Realisierbarkeit und Unterstützung nachhaltiger Smart Citys hat auch die Möglichkeit eröffnet, mehr Technologie einzusetzen. Mithilfe dieser Unterstützung lassen sich Nachhaltigkeit und Auswirkungen der Infrastruktur noch weiter optimieren.

Intelligente Städte nutzen ein breites Spektrum an technologiegestützten Lösungen, um verschiedene Aspekte zu verbessern. Dazu gehören die Lebensqualität, die Effizienz von Abläufen und Dienstleistungen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Städte. Eine smarte Wasser- und Abfallwirtschaft ermöglicht beispielsweise durch Sensoren sowie andere vernetzte Technologien die frühzeitige Erkennung von Lecks und Verschmutzungen – ebenso wie eine Just-in-Time-Abfallsammlung und eine vorausschauende Wartungsplanung.

Digitale Infrastruktur

Telekommunikation, Breitband und Rechenzentren gehören – von 2018 bis Q3 2022 relativ zum vorherigen Zeitraum mehr als verdoppelt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen wurde die Wirtschaft zunehmend digitalisiert. In diesem Zusammenhang waren die Ausweitung des Online-Handels und der Geschäftsaktivitäten ausschlaggebend, was die höhere Nachfrage nach Konnektivität sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern betrifft. Zweitens haben sich Technologien wie das Internet der Dinge (IoT ) und künstliche Intelligenz (KI) immer stärker durchgesetzt. So werden nicht nur mehr Elemente des täglichen Lebens digitalisiert, sondern auch mehr Daten benötigt.

Der dritte Punkt: In den letzten Jahren haben immer mehr Vermögensverwalter ihre Portfolios an Rahmenwerken wie den UN-Nachhaltigkeitszielen für nachhaltige Entwicklung (UN SDGs) und dem IRIS+ des Global Impact Investing Network (GIIN) ausgerichtet – insbesondere in Europa. Diese Konzepte qualifizieren digitale Infrastruktur als nachhaltigkeitsfördernd.

Was ebenfalls zunehmen wird, sind die Bemühungen um einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen wie dem Internet. Insbesondere deshalb, weil solch eine Möglichkeit mit wirtschaftlichen Vorteilen verbunden ist. Außerdem erreichen immer mehr Jugendliche, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, das Wahlalter. Angesichts dieser Tatsache ist die digitale Infrastruktur gut positioniert, um bei Impact-Investoren einen akzeptablen Status zu erlangen.

Das WEF weist seit Jahren darauf hin, dass die öffentliche digitale Infrastruktur weltweit integrativ, gerecht und sicher sein muss. Private Investitionen sind dabei ein Anstoß, sich die Bausteine vorzustellen, aus denen ein gemeinsames bzw. globales Digital-Konzept entstehen kann. Nach der Definition des WEF besteht eine solche Infrastruktur aus Lösungen und Systemen, die der Gesamtgesellschaft einen Zugang zu wesentlichen Funktionen und Diensten gewähren – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor.

Wichtige internationale Kooperationsinstrumente sind bereits vorhanden, um die Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Nutzung und Umsetzung digitaler öffentlicher Infrastruktur zu verbessern. Dazu gehören der Global Digital Compact der Vereinten Nationen sowie die Digital Public Goods Alliance, die von UNICEF mitorganisiert wird.

Für die intelligente und integrative digitale Wirtschaft der Zukunft sowie der dafür erforderlichen Infrastruktur braucht es einen ganzheitlichen Ansatz – in den Vorständen sowie den hohen Regierungsämtern. Dabei ist nicht nur eine gemeinsame Kommunikations- und Computerinfrastruktur wichtig: Auch die Abstimmung von Komponenten und Anforderungen in puncto Sicherheit ist relevant, ebenso wie die Förderung digitaler Arbeitskräfte und eines unternehmerischen Ökosystems. Die Vorbereitung auf unsere digitale Zukunft folgt daher in jeder Hinsicht einem Stichwort: Teamwork.  

FacebookTwitterLinkedIn