Inflation: Eine Chance für mehr Nachhaltigkeit in Rechenzentren?

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Die Inflation ist eine der größten Herausforderungen, mit denen die Vereinigten Staaten in letzter Zeit konfrontiert waren. Als Reaktion darauf hat der US-Kongress den Inflation Reduction Act 2022 verabschiedet. Er zielt unter anderem darauf ab, die Inflation zu bekämpfen, indem in saubere Energieerzeugung investiert wird, wodurch die Kohlenstoffemissionen bis 2030 um etwa 40 % zurückgehen sollen. Die neue Gesetzgebung wird auch die Verhandlung von Preisen für verschreibungspflichtige Medikamente ermöglichen – und den Affordable Care Act für die Gesundheitsversorgung um drei Jahre bis 2025 verlängern.

Im konkreten Fall der Energiefrage sieht das Gesetz eine historische Investition von 369 Milliarden US-Dollar in Klimaschutzmaßnahmen für die nächsten zehn Jahre vor. Damit wollen die USA saubere Energiesysteme einführen, die dabei helfen sollen, Kosten zu senken, Millionen von Arbeitsplätzen zu schaffen und die Umweltverschmutzung zu verringern.

Durch steuerliche Anreize und Rabatte werden Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen in die Lage versetzt, Geräte mit hoher Energieeffizienz zu erwerben, Solaranlagen auf ihren Dächern zu installieren und neue Elektrofahrzeuge zu kaufen.

Daten aus dem Senat der Vereinigten Staaten
Quelle: Senado

In einem noch spezifischeren Fall, nämlich dem der Rechenzentren, kann das kürzlich verabschiedete Gesetz Nachhaltigkeitsprojekte an drei Hauptfronten fördern:

  • Es vereinfacht es, an innovative Ausrüstung zu gelangen, die zur Verringerung oder Bindung der Kohlenstoffemissionen von Rechenzentren erforderlich ist.
  • Es wird mehr Unternehmen dazu bringen, in Projekte für erneuerbare Energien zu investieren und damit die gesamten Energiekosten senken.
  • Entscheider werden mehr Zeit haben, ihre Maßnahmen für erneuerbare Energien zu planen, während große Unternehmen wie Microsoft und Facebook bereits Konzepte wie selbstversorgte Rechenzentren testen. Dies dürfte für mehr Flexibilität bei der Skalierung des Rechenzentrumsbetriebs sorgen.

Laut Kate Brandt, Chief Sustainability Officer von Google, handelt es sich bei den Klima- und Energiebestimmungen des Inflation Reduction Act von 2022 um die bisher umfassendsten Investitionen zur Bekämpfung des Klimawandels in den Vereinigten Staaten. Auf diesem Weg können zudem Initiativen für saubere Energie und Energie-Sicherheit gefördert werden.

Kate Brandt betont auch, dass Google die Netto-Emissionen bis 2030 in all seinen Betrieben und entlang seiner Wertschöpfungskette auf null reduzieren möchte. Dieses Ziel schließt auch die Möglichkeit ein, alle Rechenzentren und Standorte des Unternehmens ausschließlich mit kohlenstofffreier Energie zu versorgen. Google ist Gründungsmitglied des 24/7 Carbon-Free Energy Compact, eines Zusammenschlusses von mehr als 70 Unternehmen. Dieser bündelt weltweite Bemühungen, Energiesysteme zu dekarbonisieren und jedem den Zugang zu erschwinglicher grüner Energie zu ermöglichen.

Nach Ansicht von Gartner wird Nachhaltigkeit zu einem der wichtigsten Themen für Rechenzentren, weil immer mehr Länder die Treibhausgasemissionen von Unternehmen steuerlich sanktionieren. Das Institut betont, dass die Ergreifung von Maßnahmen zunächst eine verlässliche Methode für die Bestimmung des Emissionsvolumens der Rechenzentren erfordert.

Nachhaltigkeitsinitiativen beginnen bei führenden Cloud-Anbietern. Sie gehören zu den größten Rechenzentrumsbetreibern der Welt und spielen daher eine wichtige Rolle bei der Initiative zur Verringerung IT-bezogener Kohlenstoffemissionen. Laut Gartner entfallen 70 % aller IT-Ausgaben für Cloud-Infrastruktur, -Plattformen und -Services auf die zehn größten Cloud-Anbieter (nach Umsatz).

„Hyper-Scaler investieren stark in einen nachhaltigen Cloud-Betrieb. Sie streben an, die Netto-Emissionen auf null zu reduzieren – innerhalb des kommenden Jahrzehnts oder sogar noch früher. Gartner erwartet daher eine zunehmende Verfügbarkeit von Tools, die bei der Berechnung und Reduzierung der Kohlenstoffemissionen von Cloud-Diensten helfen. Sie sollen denen ähneln, die heute bereits bei der Optimierung der Cloud-Ausgaben unterstützen“, kommentiert Ed Anderson, Research Vice President bei Gartner.

Ergebnisse des neuen Energiegesetzes

Seit der Unterzeichnung des neuen Inflation Reduction Act durch US-Präsident Joe Biden sind bereits einige Energie-Deals angekündigt worden:

  • Tesla hat seine Pläne zur Herstellung von Batterien in Deutschland geändert, da neue Anreize die Produktion der Energiezellen in den Vereinigten Staaten interessanter machen.  
  • Honda und LG Energy gründen ein Joint Venture zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien in den USA.

Außerdem will das US-amerikanische Unternehmen First Solar 1,2 Milliarden Dollar investieren, um die inländische Produktion von Photovoltaik-Modulen zu steigern.

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