Für Rechenzentren: Cargill kündigt pflanzliche Kühlflüssigkeit an

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Das US-Lebensmittelunternehmen Cargill hat eine Tauchkühlflüssigkeit auf Pflanzenbasis für Rechenzentren angekündigt: NatureCool 2000. Das Kühlmittel besteht zu mehr als 90 % aus Pflanzenöl und ist nach Angaben des Herstellers preislich mit den meisten einphasigen synthetischen Flüssigkeiten vergleichbar. Darüber hinaus ist es im Falle eines Austritts in weniger als zehn Tagen biologisch abbaubar – eine überlegene Leistung im Vergleich zu Mineralölen und synthetischen Flüssigkeiten, von denen sich nur 40 % auf natürlichem Wege entsorgen lassen. Zudem besitzt die neue Tauchkühlflüssigkeit keine toxische Einwirkung auf Menschen, Wasser oder den Boden.

Auch andere Zahlen belegen die Eigenschaften von NatureCool 2000 verglichen mit anderen Kühlmitteln: Die Flüssigkeit bietet die 1000-fache Kühlkapazität der Luft, verbraucht bis zu 60 % weniger Energie für die Kühlung und hat eine 10 % höhere Wärmeableitung als synthetische Produkte. Das Mittel erfüllt außerdem die Sicherheitsstandards mit einem hohen Flammpunkt von 325 °C. So kann es sich im Gegensatz zu einigen anderen synthetischen Tauchflüssigkeiten nicht selbst entzünden, da die Flammen erlöschen, sobald die Wärmequelle entfernt wurde. Dies führt zu einem geringeren Brandrisiko und niedrigeren Versicherungskosten.

Die Eintauchkühlung wird in IT-Umgebungen gegenüber herkömmlichen, luftgekühlten Systemen bevorzugt, da sie eine sichere und nachhaltige Lösung darstellt. Zudem benötigt sie viel weniger Platz als die übliche Luftkühlung, sodass laut Cargill die Investitionskosten (CAPEX) um bis zu 35 % gesenkt werden können – schließlich entfallen für die Betreiber die Kosten für die Infrastruktur zur Unterbringung großer Klimaanlagen und Kältemaschinen. Darüber hinaus bedeutet eine höhere Kühleffizienz einen geringeren Energieverbrauch, was eine mögliche Senkung der Betriebskosten (OPEX) um 40 bis 60 % führen mit sich bringt. In Verbindung mit den niedrigeren Wartungskosten aufgrund des geringeren Verschleißes der beweglichen Teile von Eintauchkältesystemen können die Gesamtbetriebskosten (TCO) um bis zu 40 % minimiert werden.

Doch auch die geringeren Kohlendioxidemissionen sind beachtlich: Laut Cargill ist die Flüssigkeit CO2-neutral und hat kein Erderwärmungspotenzial. Diese Eigenschaft kann Unternehmen dabei helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Zudem hat die Eintauchkühlung das Potenzial zu einer Wärmequelle für andere Anlagen in der Nähe werden.

„Die Eintauchkühlung ist die neue technologische Errungenschaft, die die Entwicklung effizienterer, leistungsfähigerer Systeme ermöglicht. Sie trägt auch dazu bei, den IT-Sektor nachhaltiger zu machen”, erklärte Kurtis Miller, Direktor des bioindustriellen Geschäftsbereichs von Cargill, auf der FeedStuffs-Website. „Allein in den letzten zehn Jahren ist der Energieverbrauch von Rechenzentren von Hunderten von Kilowatt auf Hunderte von Megawatt gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um mehr als das Tausendfache. Da die Prozessordichte zunimmt und die erzeugte Datenmenge Schritt hält, müssen wir wirksamere und nachhaltigere Wege finden, um den Betrieb dieser komplexen Systeme zu gewährleisten.“

Laut der Website verwendet das kanadische Unternehmen Mindful Energy Solutions die NatureCool 2000-Flüssigkeit für Data-Mining-Tanks in großen landwirtschaftlichen, Gewächshaus- und Industrieanlagen. Neben der Kühlung der Datenverarbeitungsanlagen wird die in der Flüssigkeit gespeicherte Wärmeenergie für neun Monate im Jahr als Quelle für die Beheizung dieser Anlagen wiederverwendet.

Szenario der Eintauchkühlung

Peter Judge, Herausgeber der DatacenterDynamics-Website, verfolgt die Welt der Rechenzentren seit vielen Jahren. Seiner Ansicht nach wird die Flüssigkeitskühlung als eine großartige Lösung angepriesen. Er ist sich sicher, dass sie bald jeder für Fälle mit hoher Leistungsdichte nutzen wird.

Gleichzeitig kennt er viele Umgebungen, die noch immer luftgekühlt sind und nicht die Absicht haben, einen anderen Weg einzuschlagen. Ein Beweis für dieses Szenario wurde vom Uptime Institute erbracht: 83 % der IT-Betreiber verwenden aktuell keine direkte Flüssigkeitskühlung.

Umfrage des Uptime Institute

Laut Judge ist die Branche recht konservativ: Seiner Meinung nach werden die Betreiber von Rechenzentren ie Flüssigkeitskühlung, erst dann einsetzen, wenn sie es müssen – so gut sie auch sein mag. Dennoch erwähnt er, dass die Flüssigkeitskühlung bei Hochleistungsrechenanlagen (HPC) schon recht weit verbreitet ist. Auch Hyperscaler sollten diese Lösung nutzen, wenn es die Situation erfordert.

Einige Ankündigungen weisen zudem auf ein gesteigertes Interesse hin, beispielsweise wie die Investition in ein Unternehmen für Rechenzentren-Flüssigkeitskühlung namens GRC (Green Revolution Cooling): In einer Finanzierungsrunde erhielt das Unternehmen 28 Millionen US-Dollar. Das Geld stammte vor allem von SK Lubricants aus Südkorea, einem petrochemischen Unternehmen, das an einer grünen Glaubwürdigkeit interessiert ist. Eine weitere Initiative kommt von Inspur, einem chinesischen IT-Konglomerat, das sich auf Cloud Computing, Big Data und andere Bereiche konzentriert. Inspur kündigte für den chinesischen Riesen JD Cloud hergestellte tauchgekühlte Server an, oder mit anderen Worten: Auch Inspur glaubt, dass sich der Markt für Flüssigkeitskühlung vergrößert.

Irgendwann werden die Vorschriften Rechenzentren zu mehr Energieeffizienz zwingen – spätestens dann kann sich die Flüssigkeitskühlung in voller Größe präsentieren.

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