Zukunft des Lernens: Virtuelles Krankenhaus revolutioniert Ausbildung von werdenden Pflegekräften

Reimagining the nursing workload: Finding time to close the workforce gap
Sheila Zabeu -

Juni 21, 2023

IT-Neuheit in der Pflegeausbildung: Die Universität von Texas in Arlington (USA) hat eine hochmoderne Bildungseinrichtung für ihr College of Nursing eingeweiht, die mit bahnbrechenden Technologien die Lernumgebung der Pflegestudenten revolutioniert.

Das beeindruckende Gebäude erstreckt sich über rund 13.000 Quadratmeter und beherbergt eine Vielzahl von Technologien, die auf die Bereicherung des Lernprozesses abzielen:

  • Im Fokus steht ein „Smart Hospital“ ausgestattet mit Dutzenden von Robotern. Diese sind in der Lage, kritische medizinische Zustände wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Atembeschwerden und Geburten zu simulieren. Die intelligenten Maschinen bereiten die werdenden Pflegefachkräfte somit optimal auf den Arbeitsmarkt vor.
  • Zudem verfügt die Einrichtung über spezielle Lernräume, in denen Pflegestudenten und Sozialarbeiter praxisnahe Szenarien wie die Palliativpflege trainieren können. Normalerweise finden diese nur im häuslichen Umfeld der Patienten statt.
  • Ein Highlight stellt das Virtual-Reality-Labor dar: Studenten vertiefen hier mithilfe von VR-Headsets ihre Fähigkeiten in den Bereichen psychische Gesundheit, klinische Grundlagen, Kommunikation und Patientengespräche. Dabei wird besonders auf die Einhaltung einer sterilen Pflegeumgebung geachtet.
  • Ein weiterer Bestandteil der Einrichtung ist ein Simulationsraum, der so umgestaltet werden kann, dass er einem Krankenhauszimmer oder einem anderen Lernort ähnelt.

Ein vielseitig umgestaltbarer Simulationsraum kann je nach Lernbedarf die Umgebung eines Krankenzimmers oder eines anderen Lernbereichs nachbilden. Transparente Glaswände bieten Passanten zudem die Möglichkeit, das innovative Lerngeschehen in den Klassenzimmern zu beobachten. Dieses Konzept namens „Learning on Display“ (zur Schau gestelltes Lernen) ist eine gezielte Initiative der Einrichtung.

„Die Zusammenarbeit in diesem Gebäude ebnet den Weg für zukünftige Mediziner und Sozialarbeiter. Uns ist bewusst, dass eine kollaborative Arbeit zwischen Pflegekräften und Sozialarbeitern zu besseren Patientenergebnissen führt,“ betont Tamara L. Brown, Probst und Senior Vice President für akademische Angelegenheiten an der Universität von Texas.

Die International Nursing Association for Clinical Simulation and Learning (INACSL) würdigt das Engagement des Smart Hospitals hinsichtlich der Anwendung von Best Practices in der Gesundheitssimulation – und zählt die Universität von Texas zu einem von 14 neuen Mitgliedern. Zudem ist die Bildungsinstitution nun eine von 26 weltweit, die für ihr großes Engagement in Sachen qualitativ hochwertige Simulationserfahrungen für Pflegestudenten eine Auszeichnung erhalten.

Jenseits des Krankenhauses

Vielversprechende Forschungsergebnisse könnten außerdem dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit Rückenmarksverletzungen erheblich zu verbessern: Ein Team von Informatikforschern an der University of Texas in Arlington arbeitet an der Entwicklung eines ganz besonderen robotischen Systems. Es soll Menschen mit Rückenmarksverletzungen dabei unterstützen, alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Die Forschungsarbeit bezieht Mitglieder des Rollstuhl-Basketballteams „UTA Movin’ Mavs“ mit ein und wird von der Forscherin Fillia Makedon geleitet.

Die Initiative erhielt kürzlich einen Zuschuss in Höhe von 218.000 US-Dollar vom Disability and Rehabilitation Engineering (DARE) Programm. Fillia Makedon betont die bedeutsame Rolle, die Roboter bei der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen im häuslichen Umfeld spielen können. Die Forscherin verweist dabei auf ein konkretes Beispiel: Ein Roboter, der Personen mit motorischen Beeinträchtigungen dabei hilft, ihre Mahlzeiten zuzubereiten.

Das übergeordnete Ziel der Forschung ist es, ein intelligentes robotisches Assistenzsystem mit dem Namen „Intelligent Robotic Cooperation for Safe Assistance“ zu entwerfen. Diese Roboter sollen in der Lage sein, das Ausmaß der kognitiven Erschöpfung einer Person während bestimmter Aufgaben zu erkennen, zu bewerten und entsprechend zu reagieren. Hierfür wird ein multisensorisches System eingesetzt, das physiologische Daten wie Gesichtsausdrücke während der Aufgaben erfasst. Mittels fortschrittlicher Methoden des maschinellen Lernens und Deep Learnings wird anschließend die kognitive Erschöpfung automatisch bewertet.

Mehr Technologie – mehr gesparte Zeit

Technologie als Lösung? Laut einer aktuellen Studie von McKinsey kämpfen Gesundheitsorganisationen in den Vereinigten Staaten trotz der abklingenden Auswirkungen der Pandemie weiterhin mit einem erheblichen Mangel an Pflegefachkräften. Schätzungen zufolge fehlen im Land zwischen 200.000 und 450.000 Krankenschwestern und -pfleger. Besonders stark betroffen: die Intensivstationen.

Im Rahmen dieser Studie äußerten Krankenschwestern ihre Vorstellungen darüber, wie viel Zeit sie idealerweise ihrer Arbeit widmen möchten. Bei der Untersuchung, wie diese Tätigkeiten neu gestaltet werden könnten, kam die Studie zu folgendem Schluss: Durch den Einsatz von Technologie, Automatisierung und Aufgabenverteilung könnten bis zu 15 % der Arbeitszeit des Krankenhauspersonals eingespart werden.

Die Grafik des Beratungsunternehmens McKinsey verdeutlicht, wie stark Innovationen sowie neue Pflegezeitmodelle die Arbeitsbelastung von Pflegepersonal reduzieren könnten.

Eine neue Studie von McKinsey zeigt, dass die Zeitersparnis dazu beitragen könnte, die Arbeitsbelastung von Pflegekräften zu verringern und ihnen die Bewältigung komplexerer Patientenfälle zu ermöglichen. Laut McKinsey könnten Krankenhäuser durch die freigesetzte Zeit bis zu 300.000 zusätzliche Pflegekräfte gewinnen, und so dem bestehenden Personalmangel entgegenwirken.

Ein wesentlicher Teil der Arbeitsbelastung von Pflegekräften besteht nach wie vor aus der Dokumentation. 15 % Arbeitszeit beansprucht diese Tätigkeit bei jedem einzelnen Pfleger. Zu den zeitintensivsten Dokumentationsaufgaben gehören Bewertungen, Patientenaufnahmen sowie die Erhebung von Gesundheitsdaten. Um die ideale Arbeitsverteilung zu erreichen, sollten diese Aufgaben idealerweise nur 13 % der Arbeitszeit ausmachen, so die Pflegekräfte. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass diese Art von Arbeitsbelastung vollständig beseitigt werden kann. Denn es fehlen weiterhin realistische und effektive Alternativen. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung durch Pflegeschriftführer und die Integration von Geräten. Aber auch die Reduzierung von Dokumentationsanforderungen sowie der Einsatz von KI zur Unterstützung bei der Dokumentation.

Basierend auf Einschätzungen von McKinsey wenden Krankenschwestern tatsächlich zwischen 10 % und 20 % ihrer 12-Stunden-Schichten für Aktivitäten auf, die durch den Einsatz von Technologie optimiert werden können. Denn anstatt die Arbeitsbelastung lediglich umzuverteilen, ermöglichen Investitionen in digitale Ansätze zur Automatisierung von Aufgaben (vollständig oder teilweise) eine wertvolle Zeitersparnis für Pflegekräfte.

Die Grafik von McKinsey zeigt zum einen die tatsächlich aufgewendete Zeit für pflegerische Tätigkeiten, die sich durch technische Innovationen in einer Schicht verringern ließen. Zum anderen gibt sie Auskunft darüber, welche Arbeitsbereiche moderne Technik unterstützen könnte – u. a. Dokumentationen sowie medizinische Verwaltung.

Ein Beispiel verdeutlicht den Bedarf an technischen Innovationen im Gesundheitswesen: Krankenschwestern verbringen während einer Schicht 3 % ihrer Zeit damit, den Patienten zu drehen und neu zu lagern. Diese Aufgabe lässt sich durch innovative „intelligente“ Krankenhausbetten-Technologien optimieren. Hierzu gehören unter anderem Alarmsysteme am Bett zur Erkennung, wann ein Patient sein Bett verlässt. Außerdem bieten fortschrittliche Therapien zur Druckverteilung, integrierte Waagen und Messgeräte sowie die Fernüberwachung von Patientenzuständen großes Potenzial. Stimmgesteuerte Geräte helfen den Patienten zudem dabei, autonom über ihre Zimmer sowie persönliche Vorlieben (z. B. Jalousien, Fernseher und Beleuchtung) zu entschieden – ganz ohne Eingriff des Pflegepersonals.