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  • IoT
  • November 16, 2021

WEF: Neuer Aktionsplan für kohlenstofffreie Gebäude

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Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat einen neuen Aktionsplan angekündigt. Darin aufgeführt sind eine Reihe von Grundsätzen, die dazu beitragen sollen, kohlenstofffreie Gebäude zu schaffen und damit wichtige Klimaverpflichtungen zu erfüllen.

Nach Angaben der Organisation sind Gebäude für 38 Prozent der Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit dem Energieverbrauch verantwortlich. Für die Akteure des Immobiliensektors ist jedoch nach wie vor unklar, was es bedeutet, „kohlenstofffrei“ zu sein. Zudem fehlt ein gemeinsamer Rahmen, der die Schritte einer Strategie zur Erreichung eines solchen Ziels beschreibt.

Die vom WEF umrissenen Grundsätze des Green Building zielen genau darauf ab, das Konzept der Dekarbonisierung auf dem Immobilienmarkt zu definieren. Auch die wichtigsten Maßnahmen sollen gemäß einer kohärenten Reihe von weltweit standardisierten Grundsätzen umrissen werden. Mit diesen Mitteln wird es möglich sein, den Kohlenstoff-Fußabdruck der Räume, die die Unternehmen bewohnen, besitzen oder in die sie investieren, wesentlich zu reduzieren.

In Zahlen ausgedrückt: Das Forum hofft, dass diese Grundsätze dazu beitragen, die baubedingten Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Bis spätestens 2050 wollen sie zudem ein dekarbonisiertes Gebäudeportfolio haben.

Die Green-Building-Prinzipien umreißen im Großen und Ganzen die wichtigsten Schritte zur Erreichung des Null-Kohlenstoff-Ziels:

1. Berechnen Sie den Kohlenstoff-Fußabdruck der Immobilie. Dies ist die Berechnung oder Schätzung der mit einem Unternehmen verbundenen Kohlenstoffemissionen, die in Scope 1, 2 und 3 unterteilt werden können. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Scope-1-Emissionen durch die direkte Verbrennung von Brennstoffen durch das Unternehmen entstehen. Scope 2-Emissionen sind indirekt und stammen aus gekaufter Energie (z. B. Strom); Scope 3-Emissionen sind alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette des Unternehmens entstehen.

2. Setzen Sie sich ein jährliches Ziel, um bis 2050 eine vollständige Dekarbonisierung zu erreichen, und ein Zwischendatum, um die derzeitigen Emissionen bis 2030 um mindestens die Hälfte zu reduzieren. In den Grundsätzen wird erläutert, wie in den Fällen vorzugehen ist, in denen Flächen gemietet oder untervermietet werden, in denen der Erwerb von Flächen ansteht und wie in anderen Szenarien vorgegangen werden soll.

3. Messung und Erfassung des gebundenen Kohlenstoffs bei neuen Entwicklungen und größeren Renovierungen. Eingebetteter Kohlenstoff bezieht sich auf die Emissionen, die entstehen, bevor das Gebäude in Betrieb geht und wenn es stillgelegt wird. Sie entstehen in der Regel bei der Gewinnung von Rohstoffen, dem Transport, dem Bau, der Renovierung, dem Abriss und der Abfallwirtschaft. Es wird erwartet, dass diese Emissionen bis 2050 etwa 50 Prozent des gesamten Kohlenstoff-Fußabdrucks von neuen Gebäuden ausmachen werden.

4. Maximierung der Emissionsreduzierung bei Neubauten und größeren Renovierungsarbeiten, um das Null-Kohlenstoff-Ziel bis zum festgelegten Endtermin zu erreichen.

5. Förderung der Optimierung des Energieverbrauchs bei bestehenden Anlagen und neuen Entwicklungen.

6. Maximierung der Versorgung mit erneuerbaren Energien.

7. Sicherstellen, dass 100 Prozent der eingekauften Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, sofern verfügbar.

8. Ermutigen Sie einflussreiche Gruppen in Ihrer Wertschöpfungskette, Emissionen zu reduzieren.

9. Kaufen Sie hochwertige Kohlenstoffkompensationen, um die verbleibenden Emissionen auszugleichen.

10. Suchen Sie den Kontakt zu interessierten Gruppen, um Ihre Kräfte zu bündeln und die Kosten und Vorteile der Maßnahmen zu teilen. Dieser Weg ist in der nachstehenden Abbildung visuell dargestellt:

Quelle: Net zero carbon (NZC) framework – WEF

Herausforderungen und Chancen

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Dekarbonisierung von Gebäuden sind groß. Es wird erwartet, dass sich die Gesamtnutzfläche von Gebäuden weltweit bis 2060 verdoppelt. Dabei werden jedoch vermutlich nur drei Prozent der Investitionen in neue Gebäude umweltfreundlich und effizient sein – und dadurch lange hohe Emissionen verursachen. Die Renovierungsrate bestehender Gebäude beträgt nur ein Prozent. Das macht weniger als ein Drittel des Anteils aus, der erforderlich ist, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Die gute Nachricht: Es gibt Technologien, um Emissionen zu reduzieren, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und den wirtschaftlichen Wohlstand zu erhalten, so die WEF-Experten.

Neben der Dekarbonisierung der Stromnetze existieren weitere Initiativen, die zur Idee der kohlenstofffreien Gebäude beitragen können. Die ordnungsgemäße Elektrifizierung der Gebäude und der Warmwasserbereitung, Verbesserungen zur Senkung des Energiebedarfs und die Digitalisierung zur Gewährleistung der Flexibilität, um den Bedürfnissen der Bewohner gerecht zu werden, sind drei wichtige Aktionslinien.

Energieeffizienz, insbesondere wenn sie durch die Digitalisierung der Systeme unterstützt wird, ist der Schlüssel zu einer dynamischen Verbrauchssenkung. Jeder Dollar, der in Energieeffizienz investiert wird, bringt eine Rendite von drei Dollar im Laufe der Zeit und spart zwei Dollar an Investitionen in die Energieversorgung.

Das WEF hat diese Initiativen „Die vier guten DEEDs“ getauft: Dekarbonisierung, Elektrifizierung, Effizienz und Digitalisierung. Die Organisation hofft, dass dieses Programm Gebäuden und Gemeinden einen umfassenden Weg zu einer kohlenstoffarmen Zukunft ebnen wird.

Digitalisieren für Flexibilität

Laut dem Weltwirtschaftsforum zielt die Digitalisierung darauf ab, die Flexibilität zu erhöhen, um die Bedürfnisse der Gebäudenutzer und des Energienetzes zu erfüllen. Dazu gehört auch die Implementierung von intelligenten, gut verwalteten Gebäuden.

Das Ziel eines intelligenten Gebäudes ist es nicht nur, die Betriebskosten zu senken. Es will auch den Komfort der Nutzer verbessern, das Energieverbrauchsmanagement automatisieren und den Status der wichtigsten Gebäudeanlagen verfolgen. Zudem steht im Zentrum, die globalen Vorschriften und Nachhaltigkeitsstandards der Branche zu erfüllen.

Ein intelligentes Bürogebäude oder ein Geschäftskomplex ermöglicht die automatisierte und zentrale Steuerung von Wasser und Strom, Beleuchtung, Heizung, Lüftung, Sicherheit, Parkplätzen, Abfallentsorgung, Aufzügen und Notausgängen, Zugangskontrolle zu Computersystemen und Wartung von Gärten und Geräten. All dies geschieht über ein IoT-Netzwerk.

Um effektiv zu sein, erfordern intelligente Gebäude eine komplexe Überwachung der IoT-Netzwerke, die alle Automatisierungssysteme steuern.

Die Überwachung des Gebäudezustands zeichnet den Ressourcenverbrauch von Gebäuden auf, identifiziert unerwartete Schäden und Geräteausfälle, erstellt optimierte Wartungspläne und alarmiert die zuständigen Behörden bei Problemen in und um ein Gebäude.

Kompromiss

Auch wenn Null-Kohlenstoff-Gebäude und -Gemeinschaften komplex und selten erscheinen mögen: Sie werden mit Unterstützung globaler Organisationen wie Architecture 2030, Global Alliance for Buildings and Construction und dem World Green Building Council immer beliebter. Eine Reihe von Städten, Unternehmen und Wohnungsbaugesellschaften haben sich bereits verpflichtet, bis 2030 100 Prozent kohlenstofffreie Gebäude in ihrem Portfolio zu haben.

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