Wearables helfen bei der Genesung im Krankenhaus

Sheila Zabeu -

August 28, 2023

Wer sich während eines Krankenhausaufenthaltes kaum bewegt und viel sitzt, schadet dem eigenen Körper: Mögliche Folgen sind physische Funktionseinbußen, Gebrechlichkeit und mangelnde Autonomie bei der Erledigung alltäglicher Aufgaben. Darüber hinaus haben Beobachtungsstudien gezeigt, dass leichte körperliche Aktivität im Krankenhaus die Aufenthaltsdauer in einer Einrichtung sogar verkürzen und die Notwendigkeit einer erneuten Aufnahme verringern kann. Wearables könnten ein neues Kapitel für Krankenhauspatienten eröffnen – indem sie die körperliche Aktivität der Genesenden aufzeichnen.

Ein kürzlich in der Zeitschrift JAMA Network Open of the American Medical Association veröffentlichter Artikel zeigt, dass Interventionen mit portablen Geräten, die die körperliche Aktivität aufzeichnen, bei Krankenhausaufenthalten immer häufiger zum Einsatz kommen. Durch Selbstkontrolle, Zielsetzung und Feedback regen sie Veränderungen an.

In Australien, Europa, Asien, Nordamerika und dem Nahen Osten wurden bereits Studien zu diesem Thema durchgeführt. Die gesammelten Daten unterlagen einer systematischen Überprüfung sowie einer Metaanalyse: Im Fokus standen hier verschiedene Gruppen, darunter Patienten, die sich von einer Operation, einem Schlaganfall, einer orthopädischen Behandlung oder einer gemischten Rehabilitation erholten – wobei die meisten von ihnen tragbare Tracking-Geräte im Rahmen von Multikomponenten-Interventionen nur während des Krankenhausaufenthalts verwendeten. Einige Gruppen nutzten sie auch nach der Entlassung: Die Tragedauer umfasste einen Zeitraum von einem bis sechs Monaten.

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Interventionen, bei denen tragbare Tracking-Geräte zum Einsatz kommen, zu mehr körperlicher Aktivität und weniger Sitzen während des Krankenhausaufenthalts führen – was für die Patienten potenzielle klinische Vorteile mit sich bringt. Die körperliche Funktion verbesserte sich allerdings nur geringfügig, und auch die Schmerzen oder die psychischen Gesundheit stagnierte. Es wurde zudem kein signifikanter Zusammenhang mit der Dauer des Krankenhausaufenthalts oder der Wiederaufnahme festgestellt. Die Forscher unterstreichen, dass bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten ist: Grund dafür sei die erhebliche Heterogenität der Daten, die in der Studie verwendet wurden. Die Wissenschaftler weisen ebenfalls darauf hin, dass Interventionen mit tragbaren Tracking-Geräten ein wachsender Forschungsbereich sind und dass 80 % der untersuchten Studien im Jahr 2018 oder später veröffentlicht wurden.

Außerhalb der Krankenhausumgebung

Wearable Devices und Apps unterstützen auch bei der Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), der fortschreitenden Degeneration der motorischen Neuronen im Gehirn und Rückenmark. Dies berichten Forscher des Massachusetts General Hospital und des ALS Therapy Development Institute in einer in Nature Communications veröffentlichten Studie.

Wie die Forschung zeigt, hängt die Behandlung dieser Krankheit in hohem Maße von der Funktionsbewertung ab. Die Grenzen herkömmlicher Methoden zur Messung funktioneller Parameter, auch außerhalb der ALS, machen es jedoch schwierig zu verstehen, ob die laufenden Behandlungsmaßnahmen greifen. Wer Probenahmen allerdings häufiger durchführt, stößt auf Hindernisse in Bezug auf Ressourcen, Logistik und Kosten. Warum also nicht Sensoren und mobile Anwendungen einsetzen, um das Fortschreiten der Krankheit aus der Ferne zu quantifizieren und aktive Daten nicht nur durch Befragungen, sondern auch durch Geräte zu erfassen?

Im Rahmen der Studie wurden 40 erwachsene ambulante Patienten mit ALS sechs Monate lang beobachtet. Mit Hilfe einer App wurden alle zwei bis vier Wochen Interviews zur Funktionsbeurteilung durchgeführt – und zwar bei den Patienten zu Hause, wodurch sich die Zahl der Besuche in den Kliniken verringerte und eine Überwachung des Krankheitsverlaufs zu Hause möglich war. Darüber hinaus trug jeder Studienteilnehmer kontinuierlich einen Aktivitätsmonitor am Hand- oder Fußgelenk. Die Hoffnung ist, dass sich mithilfe der aktiven sowie passiven Erfassung digitaler Daten neue Maßnahmen auf Basis dieser Ergebnisse entwickeln lassen.

Die Studie führte eine datenzentrierte Analyse des dreiachsigen Beschleunigungssensors durch: Damit ließen sich sensorgestützte Teilbewegungen am Hand- und Fußgelenk von ALS-Patienten zu Hause bei alltäglichen Verhaltensweisen überwachen. Diese Messungen sind ein zuverlässiger Hinweis auf die motorische Funktion und das Fortschreiten der Krankheit. Mit Hilfe des maschinellen Lernens wurde ein Modell trainiert, das empfindlich auf Veränderungen der Krankheit reagiert.

Den Forschern zufolge gab es bisher nur wenige Studien, in denen Personen mit ALS kontinuierlich mit tragbaren Geräten überwacht wurden. Sie weisen darauf hin, dass diese neue Form der Messung eine große Chance darstellt, die Kosten für klinische ALS-Studien zu senken. Gleichzeitig ließe sich so die Zahl der Personen, die an den Tests teilnehmen können, erhöhen und die Bewertung neuer Therapien beschleunigen. Dazu kommt die Möglichkeit, die klinische Routineversorgung von ALS-Patienten zu unterstützen, indem die neue Messform Ärzten sowie Patienten eine objektive und zuverlässige Methode zur Bewertung der Motorik an die Hand gibt – eine Option, die sich zu Hause zu nur relativ geringen Kosten durchführen lässt.