Schneider Electric und SAP kooperieren für erleichterte IT/OT-Integration

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Um die Integration von Informations- und Betriebstechnologie (IT und OT) sowie Innovationsmöglichkeiten im Industriesektor zu fördern, haben sich zwei große Unternehmen zusammengetan: Ziel der Kooperation von Schneider Electric und SAP ist es, offene Standards weiter voranzutreiben, um Erleichterungen für gemeinsame Industriekunden zu ermöglichen.

Schneider Electric ist einer der Branchenführer im Bereich Energiemanagement und Industrieautomation. SAP gilt als weltweit führender Anbieter von Software für das Management von Geschäftsprozessen. In einer Absichtserklärung gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass sie auf Grundlage komplementärer Angebote eine einfachere und nahtlosere Integration für gemeinsame Industriekunden gewährleisten möchten. Darüber hinaus planen sie, in Zukunft zusammen Initiativen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Energiemanagement zu starten.

„Unsere Zusammenarbeit mit Schneider Electric zeigt die breite Unterstützung der SAP für das Industrie 4.0-Ökosystem. Unsere Unternehmen haben erkannt, wie wichtig Kooperation, Innovation und offene Standards sind, um Daten zu integrieren und unseren gemeinsamen Kunden die Nutzung von Operational-Technology-Lösungen zu erleichtern“, sagt Peter Maier, President of Industries & Customer Advisory bei SAP.

Ziel ist es, Möglichkeiten auszuloten, wie man den Kunden einen größeren Mehrwert bieten könne: Die Grundlage dafür sind vorkonfigurierte und getestete Lösungen, die in der Lage sind, die Kosten für die Implementierung und den Betrieb unternehmenskritischer Geschäftsprozesse zu senken. Zu den ersten bereits bewerteten Szenarien gehören:

  • Die vereinfachte IT/OT-Integration in der Fertigung auf der Grundlage gemeinsamer Standards, Integration und Asset Lifecycle Management als digitale Zwillinge.
  • Intelligentes Asset Management und End-to-End-Außendienstleistungen unter Verwendung von Technologien der virtuellen und erweiterten Realität.

„Viele Kunden suchen nach einfacheren Möglichkeiten, fortschrittliche Technologien in ihren Digitalisierungsprozess zu integrieren. Gemeinsam mit SAP möchten wir den Herausforderungen des Marktes mit innovativen digitalen Lösungen begegnen und so unseren Kunden helfen, die Vorteile von Industrie 4.0 zu nutzen“, betont Bruno Zerbib, Executive Vice President und Head of Platform and Technology bei Schneider Electric.

Nach Prognose der beiden kooperierenden Unternehmen ermöglicht eine durchgängige IT/OT-Integration datengetriebene Entscheidungen und optimierte Strategien. Lösungen, die automatisch Wartungs- oder Serviceaufträge in SAP-Anwendungen initiieren, können den Zyklus zwischen Wartungsstrategie und Ausführung verkürzen. So lässt sich die Anlagenkontrolle optimieren. Augmented Reality kann zudem die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitstellen, um Prozesse zu beschleunigen und die Genauigkeit der Ursachenanalyse zu erhöhen.

Während der Fachmesse für industrielle Automatisierung Smart Production Solutions (SPS) 2022, die im November letzten Jahres in Deutschland stattfand, präsentierte IoT Analytics zehn Trends. Die Entwicklungen, die das Marktforschungsunternehmen aufzeigte, deuten auf einen starken Schub in Richtung IT/OT-Konvergenz im Industriesektor hin.

Der Hauptgrund für das starke Interesse an dieser Konvergenz im Fertigungsbereich sind die erheblichen Verbesserungen, welche die Informationstechnologie verspricht. Eine zunehmend wettbewerbsorientierte Welt hat den traditionell weniger hochtechnisierten Betriebssektor dazu „gezwungen“, die IT als Partner zu betrachten. Die IT/OT-Konvergenz lässt sich als erster Schritt sehen: Sie kann die notwendigen und sicheren Schnittstellen zwischen IT- und OT-Systemen schaffen.

Die 10 Trends der IT/OT-Konvergenz im Industriesektor in der Übersicht
Quelle: IoT Analytics

Die nachfolgenden zehn Trends werden das Jahr 2023 mit großer Wahrscheinlichkeit prägen:

  1. Edge-IT-basierte Containerisierungstechnologie;
  2. Integration von IT- und OT-Tools: Obwohl die Lösungsanbieter bereits konvergente Lösungen entwickeln, ist ein bemerkenswerter Trend die enge Zusammenarbeit von Unternehmen aus dem IT- und OT-Bereich. Ihr erklärtes Ziel: Die Entwicklung integrierter Lösungen. Eine solche Partnerschaft besteht – wie zuvor beschrieben – unter anderem zwischen Schneider Electric und SAP;
  3. Cloud-native Tools (IT) für verbesserte Fertigungsabläufe;
  4. IT-Programmierwerkzeuge und -sprachen für die Steuerung;
  5. Virtuelle PLCs – containerisierte Steuerungen: Unternehmen gehen jetzt zu virtuellen SPS über, die nicht nur unabhängig von der Steuerungshardware, sondern auch unabhängig von der IT-Hardware sind. Das bedeutet: Sie können auf einem Standard-IT-Server anstelle von speziellen Steuerungen laufen;
  6. Digitale Zwillinge zur Virtualisierung physischer Anlagen: Während die IT/OT-Konvergenz oft so dargestellt wird, dass OT-Systeme IT-Tools übernehmen, ist der Weg bei den digitalen Zwillingen umgekehrt. In einer virtualisierten Umgebung übernimmt IT OT. Die Industrial Digital Twin Association präsentierte bereits Anwendungsfälle ihrer Asset Management Shell (AAS).
  7. Low-Code-Tools: Diese Low-Code-Entwicklungsplattformen bieten eine visuelle Umgebung. Sie verkürzt die Zeit für die Erstellung und Bereitstellung von Anwendungen;
  8. MQTT-Protokoll zur Verbindung von OT und IT: MQTT (Message Queuing Telemetry Transport) hat sich als primäres Protokoll für die Last-Mile-Konnektivität zwischen OT-Anlagen und IT-/Cloud-Systemen durchgesetzt.
  9. IT-Cybersicherheitsmodelle für die OT: Das für die IT entwickelte Zero-Trust-Konzept lässt sich auch auf OT-Umgebungen übertragen. Basierend auf dem Prinzip des „least privilege access“ genehmigt Zero Trust den spezifischen Zugriff nur auf der Grundlage der Identität und des Kontexts der Benutzer.
  10. Qualitätskontrolle von Industriesoftware: PLCopen, ein unabhängiger Verband, der die Effizienz in der industriellen Automatisierung auf der Grundlage von Benutzeranforderungen fördert, hat angekündigt, dass er eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Richtlinien für die metrikbasierte Qualitätsbewertung von SPS-Software bilden will.

Die Zahlen sprechen für sich: Industrieautomatisierung und Software haben derzeit ein Marktvolumen von rund 200 Milliarden US-Dollar. Die IT/OT-Konvergenz ist dabei eine der wichtigsten technologischen Triebkräfte, die Effizienzsteigerungen sowie Umsatzchancen ermöglicht – und diesen Markt in den nächsten sechs Jahren auf bis zu 400 Milliarden US-Dollar ansteigen lassen kann. Auch wenn es aktuell noch Herausforderungen und Vorbehalte gibt, hat sich die grundlegende Einstellung der Branche geändert – wie die zunehmende IT/OT-Konvergenz zeigt.

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