Rechenzentren erobern Mond und Meer

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Es ist kein Zukunftsszenario: Derzeit sind Rechenzentren überall auf dem Vormarsch – sogar in Unterwasserlandschaften und auf dem Mondboden. Das erste Modell von Unterwasser-Rechenzentren ist Teil eines Pionierprojekts, das von der südkoreanischen Regierung im Rahmen des Korean Institute of Ocean Science and Technology (KIOST) finanziert wird. Es zielt darauf ab, an der Südostküste des Landes in der Nähe des Großraums Ulsan einen Unterwasserraum für unterschiedlichste Zwecke zu errichten. Das Projekt sieht Investitionen in Höhe von 30,8 Millionen US-Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren (2022-2026) und die Beteiligung von mehr als 2.300 Institutionen vor.

Laut Song Cheol-ho, dem Bürgermeister von Ulsan, werden im Rahmen des Projekts unter anderem hocheffiziente Unterwasser-Datenzentren sowie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) erforscht, um Energie- und Kommunikationssysteme in der Meeresumwelt bereitzustellen. „Die Entwicklung von Unterwassertechnologien wird zum Ausbau von Datenzentren beitragen. Ziel ist es, dass diese mit hoher Energieeffizienz und Stabilität in einer Unterwasserumgebung betrieben werden können“, so der Bürgermeister über das Projekt.

Song Cheol-ho hofft außerdem, dass im Rahmen des Projekts Unterwasserlebensräume wie Wohn-, Arbeits- und Gesundheitszentren geschaffen werden können. Erklärte Absicht ist es, dass weitere Technologien für den Bau, den Betrieb und die Wartung dieser Räume entwickelt werden könnten. Um die neuen Technologien zu demonstrieren, wird im Rahmen des Projekts eine modulare Unterwasserstruktur installiert, die es drei Personen ermöglicht, 30 Tage lang in einer Tiefe von 30 Metern zu leben.

Quelle: KIOST

Ein ähnlicher Schritt in Sachen Unterwasser-Rechenzentren wurde in China unternommen, wo vor der Küste der Insel Hainan das weltweit erste kommerzielle Unterwasser-Rechenzentrum erbaut wird. Die Arbeiten finden 20 Meter tief vor der Küste des Freihandelshafens von Hainan statt, nachdem das Projekt im Mai 2021 angekündigt wurde. Mittlerweile fanden bereits erste Tests statt, bei denen die Geräte des Rechenzentrums in einer Unterwasserkabine liefen und durch das Meerwasser effizient gekühlt wurden.

Das Konzept eines Unterwasser-Rechenzentrums hat Microsoft erstmals in seinem Natick-Projekt vorgestellt. Heute befinden sich die Arbeiten bereits in der zweiten Phase. Sie soll zeigen, dass es möglich ist, Unterwasser-Rechenzentrumsmodule in vollem Umfang herzustellen und in weniger als 90 Tagen in Betrieb zu nehmen. Das Schiff der Phase 2 wurde im Juni 2018 im Europäischen Meeresenergiezentrum auf den Orkney-Inseln im Vereinigten Königreich in Betrieb genommen.

Ein Blick auf den Mond

Ideen und Vorhaben rund um die Platzierung von Rechenzentren etablieren sich nicht nur zu Wasser, sondern auch im Orbit: Das Startup-Unternehmen Lonestar Data Holdings hat vor kurzem angekündigt, dass es eine Reihe von Rechenzentren auf die Mondoberfläche bringen will. Die ersten beiden Missionen für den Transport sind bereits in Auftrag gegeben.

Lonestar erachtet den Mond als idealen Standort, um ein Premium-Segment der 200-Milliarden-Dollar-Datenspeicherindustrie zu bedienen. Gleichzeitig ließen sich durch die Lösung wichtige Umweltprobleme angehen, welche die weltweite Zunahme von Rechenzentren auslöst.

„Daten sind die wichtigste von der Menschheit geschaffene Währung. Wir sind bei fast allem, was wir tun, auf sie angewiesen. Deshalb ist es für uns als Spezies essenziell, sie in der zunehmend empfindlichen Biosphäre der Erde zu speichern. Der größte Satellit der Erde, der Mond, ist der ideale Ort, um unsere Zukunft sicher zu lagern“, sagt Chris Stott, Gründer von Lonestar.

Nach Angaben des Unternehmens ist Lonestar nach den erfolgreichen, bahnbrechenden Versuchen mit fortschrittlichen Datenzentren im Dezember 2021 nun in der Lage, mit dem ersten seiner Datenzentren auf dem Mond zu starten. Lonestar hat bereits die erforderlichen Spektrumsaufzeichnungen für seine Missionen bei der ITU vorgenommen.

Zudem hat Lonestar das Mondlandeunternehmen Intuitive Machines beauftragt, im nächsten Jahr ein Proof-of-Concept-Minirechenzentrum auf den Mond zu bringen. Im Rahmen der Beauftragung unterzeichnete Lonestar außerdem einen Vertrag, um die Datenübertragungs- und -speicherungskapazitäten während der ersten IM-1-Modul-Mission zu testen. Im Fokus steht der Versuch, das Nova-C-Roboter-Raumschiff auf Oceanus Procellarum auf dem Mond zu landen.

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