E.U. Rechenzentren wollen ihren Wasserverbrauch senken

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Der Climate Neutral Data Centre Pact (CNDCP) ist eine Selbstregulierungsinitiative, die von 74 Rechenzentrumsbetreibern und 23 Verbänden unterzeichnet wurde. Im Rahmen ihrer Arbeit hat sie der Europäischen Kommission kürzlich Kennzahlen zum Wasserverbrauch vorgelegt. Als Ziel hat die Initiative nun angegeben, bis 2040 nur noch maximal 400 ml Wasser pro kWh Strom zu verbrauchen.

Da zahlreiche Rechenzentren die Kühlungsmethode mit Wasser einsetzen, bildet die Einsparung der wertvollen Ressource einen Schwerpunkt der Arbeit des CNDCP im Bereich Klimaneutralität. Nach Angaben der Initiative verbraucht diese Methode zwar weniger Energie und erzeugt geringere Treibhausgasemissionen als elektromechanische Systeme – doch aufgrund der zunehmenden Wasserknappheit in vielen Gebieten ist es von entscheidender Bedeutung, den Wasserverbrauch des Rechenzentrumssektors effizienter zu gestalten.

Der vorgeschlagene Grenzwert von 400 ml pro kWh Strom berücksichtigt die Vielfalt der eingesetzten Technologien, Klimazonen und Gebäudetypen. Außerdem legt die Studie zusätzliche Metriken fest, die den regionalen Wasserstress und den Prozentsatz des verwendeten Brauchwassers einbeziehen. „Jedes Rechenzentrumsgebäude sollte so behandelt werden, als befände es sich in einem Gebiet mit hohem Wasserstress. Da die vorgeschlagenen Maßnahmen der Initiative auch zwischen Trink- und Brauchwasser unterscheiden, fördern sie zusätzlich die Verwendung von Grau- und Regenwasser für die Kühlung“, heißt es im CNDCP-Bericht.

Bis 2040 müssen alle Betreiber von Rechenzentren, die den Pakt unterzeichnet haben, die neue Kennzahl erreichen. Dies verhindert auch den Bau neuer Anlagen mit Wassertürmen, die den festgelegten Grenzwert nicht einhalten.

Anlässlich seiner Veröffentlichung stellte das CNDCP neue Erkenntnisse der Arbeitsgruppe für Überwachung und Berichterstattung vor: Sie hat den Auftrag, die Messung von Metriken zu formalisieren und die Berichterstattung entsprechend anzugleichen. Nun kündigte das Gremium den Plan an, die Metriken des Pakts auf die Norm ISO 30134 abzustimmen, die eine Reihe von Umweltmaßnahmen für Rechenzentren abdeckt. Mit der Umsetzung dieses Vorhabens wurde die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bureau Veritas beauftragt.

Darüber hinaus hat der Pakt zusätzlich zwei neue Arbeitsgruppen etabliert: Sie sollen Ziele für Recycling und Wiederverwendung als Teil einer Kreislaufwirtschaft sowie feste Kennzahlen für die Messung der Energieeffizienz erarbeiten. Die Arbeitsgruppen haben ihre Aufgaben bereits in Angriff genommen und sollen bei der nächsten Sitzung im November 2022 von ihren Fortschritten berichten.

Gefrorenes Wasser

Wer hätte gedacht, dass gefrorenes Wasser auch eine große Hilfe bei der Kühlung von Rechenzentren sein kann? Isländische Einrichtungen machen es vor: Sie werden mit einer Kombination aus geothermischer und hydroelektrischer Energie betrieben und setzen aufgrund des natürlich kalten Klimas auf eine freie Kühlung.

Für den Betrieb des größten Rechenzentrums in Island ist die Firma Verne Global verantwortlich. Sie arbeitet seit 2012 an diesem Standort und hat neben verschiedenen anderen Dienstleistungen ein eigenes Ökosystem erschaffen: Darin finden Organisationen, die eine hochintensive Datenverarbeitung benötigen und sich gleichzeitig um ihren ökologischen Fußabdruck sorgen, geeignete Partner.

Kürzlich ging Verne Global eine Partnerschaft mit Landsvirkjun ein, dem staatlichen isländischen Energieunternehmen. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen Wasserstoff-Brennstoffzellen getestet und eingesetzt werden, um eine zuverlässige und nachhaltige Notstromversorgung für die Rechenzentren in der Region zu gewährleisten. Ziel ist es, den Übergang zu grünem Wasserstoff zu ermöglichen. Dieser wird mit erneuerbaren Energien aus Island erzeugt und soll somit den Nachhaltigkeitssektor weiter vorantreiben. Das Projekt ist das erste seiner Art in Island.

„Die Rechenzentrumsbranche ist noch jung und zieht große Kapitalanlagen an. Außerdem ist der Sektor sehr auf Technik fixiert – deshalb müssen wir in Möglichkeiten investieren, um unseren eingebetteten CO2-Fußabdruck zu verringern und anderen Branchen den richtigen Weg zu zeigen“, sagt Tate Cantrell, Chief Technology Officer bei Verne Global. Der eingebettete CO2-Fußabdruck gibt an, wie viel Energie die Rechenzentren verbrauchen und wie hoch die Menge an Treibhausgasen war, die beim Bau anfiel.

Auch die Nutzung von Kühlflüssigkeiten ist jedoch ein Trend, den man laut dem Geschäftsführer im Auge behalten sollte – denn der Einsatz herkömmlicher luftgekühlter Lösungen für Rechenzentren sei energetisch nicht vertretbar. Um die Rechenzentren in Island mit anderen Teilen der Welt zu verbinden, gibt es bis jetzt drei Unterseekabelsysteme. Ein weiteres, IRIS genannt, soll Ende des Jahres geliefert werden und den Südwesten Islands mit Irland zusammenführen. Von dort aus bestehen bereits direkte Verbindungen nach Nova Scotia und an die Ostküste der Vereinigten Staaten, einschließlich New York.

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