Insolvenzschutz beantragt: So steht es um Sigfox

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Sigfox ist ein französisches Start-up-Unternehmen, das durch seine namensgebende Technologie bekannt wurde. Das junge Unternehmen bietet Lösungen für Ultra-Schmalband-IoT-Netzwerke an. Doch nun hat das Start-up in Frankreich Insolvenzschutz beantragt. Auch die Gründe dafür sind bekannt: Es werden sinkende Umsätze und schwierige Bedingungen im IoT-Sektor aufgrund der Corona-Pandemie genannt.

Mehr als 300 Millionen Dollar hat das Unternehmen bereits investiert, um ein globales Kommunikationsnetz aufzubauen. Dieses nutzt einen neuen Ansatz für drahtlose Netzwerke. Der Aufbauprozess des Netzes soll zunächst sechs Monate dauern. Durch ihn soll nun ein Interessent gefunden werden, der Sigfix kauft, die langfristige Entwicklung der Firma unterstützt und die Arbeitsplätze erhält.

Die Gesundheitskrise habe die Aktivität in seinem Sektor in den letzten beiden Jahren verlangsamt – das erklärt Sigfox gegenüber der Zeitung Le Figaro. Auch eine Versorgungskrise betreffe den Markt für elektronische Komponenten in den letzten Monaten. Diese Faktoren hätten zur finanziellen Situation des Unternehmens beigetragen und insbesondere den Schuldenstand des Start-ups schwer belastet.

Auf der Firmen-Webseite gibt Sigfox an, in 75 Ländern tätig zu sein. 19,5 Millionen Geräte sollen dabei im Kommunikationsnetzwerk registriert sein. Im Jahr 2021 seien demnach mittels der Sigfox-Netzwerke 76 Millionen Nachrichten pro Tag übertragen worden. Gegründet wurde Sigfox 2010 in Labège (Haute-Garonne), einer Gemeinde an der Grenze zu Toulouse. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile 350 Mitarbeiter. Es unterhält unter anderem Büros in Boston, Dallas, Dubai, Madrid, Paris, Sao Paolo, Singapur und Tokio.

In Brasilien, Mittelamerika, Mexiko, Kolumbien, Ecuador und Uruguay liegen die Nutzungsrechte der Sigfox-Technologie beim IoT-Unternehmen WND. Der Konzern garantiert, dass der in Frankreich gestellte Antrag auf gerichtliche Beitreibung von Sigfox keine Auswirkungen auf seine Betreiber haben wird.

Erst kürzlich führte ein Projekt von Sabesp, dem Abwasserentsorgungsunternehmen des Bundesstaates Sao Paulo, die Sigfox-Technologie ein. Das Projekt verwendet Sigfox-0G-Netzwerke von WND, um intelligente Wasserzähler anzuschließen. So können die Wasserverbrauchswerte der größten Wasserverbraucher der Metropolregion übertragen werden. Zu den Verbrauchern gehören beispielsweise Universitätsgebäude, Einkaufszentren und Eigentumswohnungen. Die Technologie bietet den Kunden durch ihre Anwendung unter anderem auch Zugang zu Informationen wie dem historischen Durchschnittsverbrauch. Laut WND werden die Wasserzähler mindestens fünf Jahre in Betrieb bleiben – und das, ohne dass Batterien ausgetauscht oder aufgeladen werden müssen.  

Sigfox-Technologie

Die Technologie von Sigfox setzt auf ein lizenzfreies IoT-Netzwerk. Dies bietet die Alternative zu den lizensierten Optionen wie LTE-M oder NB-IoT. Ihr Erfinder beschreibt sie als kostengünstige, zuverlässige und stromsparende Lösung für die Verbindung von IoT-Sensoren und -Geräten. Ziel der Technologie ist es, eine Lösung für den kurzen Austausch in IoT-Netzwerken anzubieten. Diese soll autonom (durch die Gewährleistung einer langen Batterielebensdauer) und einfach (durch den Verzicht auf die Konfiguration) funktionieren.

Verwendet werden dazu Basisstationen (lokale Sigfox-Antennen). Diese Stationen empfangen Nachrichten von sendenden IoT-Geräten und leiten diese Informationen an die Sigfox-Cloud weiter. Die Technologie umfasst drei Hauptelemente: Zum einen Antennen, die in der Regel auf hohen Punkten oder Türmen aufgestellt werden. Dazu kommen Verstärker, die das Signal verstärken und Rauschen herausfiltern, sowie Zugangspunkte, die die Nachrichten an die Sigfox-Cloud senden.

Im Gegensatz zu lizenzierten 2G-, 3G-, 4G-, 5G-, NB-IoT- oder LTE-M-Standards können unlizenzierte Standards wie Sigfox unabhängig eingesetzt werden. Dazu werden keine Verträge mit Mobilfunknetzbetreibern benötigt – und so muss auch nicht für deren Dienst bezahlt werden. Sigfox-Netzwerke stehen zudem im Gegensatz zu Wi-Fi- oder Zigbee-Technologien: Letztere sind vor allem für kleinere Innenräume geeignet. Sigfox-basierte IoT-Netzwerke (oder beispielsweise LoRa) haben eine große Reichweite und einen geringen Stromverbrauch, wodurch sie überall eingesetzt werden können.

Dennoch gibt es auch dabei Einschränkungen. Die von Sigfox verwendeten Sub-GHz-Frequenzen sind nicht für alle Länder und alle geografischen Regionen standardisiert. Bei der Entwicklung und Konfiguration von weltweit eingesetzten IoT-Lösungen kann dies zu Problemen führen. Es bestehen zudem regionale Unterschiede bei den Grenzen für das Leistungsband, was die Geräte nutzen. Dies kann sich auf die Reichweite ebenso auswirken wie auf einen zuverlässigen Arbeitszyklus in jedem Teilband (z.B. die Zeit, die Geräte pro Stunde auf Sendung sein dürfen). Weitere Punkte, die bei der Entscheidung für lizenzfreie Netze zu berücksichtigen sind, sind die in der Region vorhandenen Interferenzen, die die Leistung von IoT-Geräten beeinträchtigen können, sowie rechtliche Fragen.

Aktuelles Szenario

Die vier wichtigsten Technologien für Langstreckennetze – darunter Sigfox, 3GPP, LoRaWAN und IEEE 802.15.4 –, mit und ohne Lizenz, wurden in einem kürzlich erschienenen Bericht von Berg Insight behandelt. Der Bericht beschreibt die sich verändernden und wachsenden Trends in jedem dieser Technologie-Ökosysteme.

Quelle: Berg Insight

Wie sich in der Studie zeigt, hat Sigfox ehrgeizige Pläne: So soll eine softwarebasierte Lösung die Komplexität des Netzwerkmanagements in die Cloud verlagern und die Konnektivität mit Dingen sicherstellen, die zuvor noch nie übermittelt wurden.

Doch der „Adoptionszyklus“ der Technologie ist langsamer als gedacht. Darüber hinaus litt der IoT-Sektor, wie bereits erwähnt, unter der Covid-19-Pandemie. So verlangsamten sich die Aktivitäten in den vergangenen beiden Jahren und ein Druck auf den Elektronikmarkt entstand. Dies wirkte sich nicht nur erheblich auf die finanzielle Situation, sondern auch auf den Schuldenstand aus, erklärt der Bericht.

Auch Sigfox stand Anfang 2021 vor einem Umbruch: Nach mehr als einem Jahrzehnt trat Mitbegründer Ludovix Le Moan als CEO zurück – ohne Gründe dafür zu nennen. Ersetzt wurde Le Moan durch den Präsidenten der nordamerikanischen Abteilung, Jeremy Prince.

Sigfox geht davon aus, dass bis 2023 1 Milliarde Geräte an sein Netzwerk angeschlossen sein werden. Das Start-up strebt eine starke Expansion in China, Indien und Russland an. Von diesem Ziel scheint Sigfox jedoch noch weit entfernt zu sein. Wie bereits erwähnt hat es nur 19,5 Millionen registrierte Geräte, und in seinen Netzen wurden im Jahr 2021 täglich 76 Millionen Nachrichten übertragen.

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