Digitale Gesundheit 2023: Chancen und Herausforderungen

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Nach mehr als drei Jahren Pandemie sieht es auch im Jahr 2023 für den Gesundheitssektor alles andere als rosig aus: Denn die Prognosen erwarten angesichts der Inflation und des langsamen Wirtschaftswachstums insgesamt einen Rückgang der realen Gesamtausgaben in der Branche. Im Risikokapitalmarkt für digitale Gesundheit sollen die Investitionssummen immerhin auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2020 bleiben, d. h. zwischen 15 und 25 Mrd. US-Dollar. Die Verbindung von Technologie und Patienten verheißt jedoch viele Chancen, die sich im kommenden Jahr nutzen lassen. Zugleich dürfte die Digitalisierung des Gesundheitswesens allerdings wegen der zunehmend strengeren Vorschriften zur Nutzung von Patientendaten in vielen Teilen der Welt schwieriger werden.

„Obwohl die Investoren im digitalen Gesundheitssektor davon ausgehen, dass es im Jahr 2023 zu einer Herabsetzung von Vermögenswerten kommen wird, halten die meisten das Ökosystem insgesamt immer noch für recht gesund. Das Investitionsniveau sollte deshalb mit den letzten Jahren vergleichbar bleiben und zwischen 15 und 25 Milliarden Dollar liegen“, sagt Justin Norden, Partner bei GSR Ventures.

Gleichzeitig sollte man jedoch nicht vergessen, dass die Pandemie in der Zwischenzeit einen Investitions-Boom im Bereich der digitalen Gesundheit ausgelöst hat. Start-ups haben im Jahr 2021 29,1 Mrd. US-Dollar generiert – fast doppelt so viel wie 2020 (15 Mrd. US-Dollar).

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 – also vor der Pandemie – investierten Risikokapitalfirmen nur 8,3 Milliarden US-Dollar in Start-ups des digitalen Gesundheitssektors. Dieses Plateau ist dem, was wir heute erleben, sehr viel ähnlicher: So sammelten Unternehmen aus dem Bereich der digitalen Gesundheit im dritten Quartal gerade einmal 2022 2,2 Milliarden US-Dollar. Gemäß dem jüngsten Quartalsbericht von Rock Health handelt es sich dabei sowohl im Vergleich zum gesamten letzten Jahr als auch in Relation zum vierten Quartal 2019 um den Zeitraum mit dem niedrigsten Funding.

Diese Stagnation der Finanzierungen im Gesundheitssektor ist weit verbreitet – nicht im digitalen Bereich. Laut der Forschungs- und Analyseabteilung von The Economist Group (EIU) werden die Gesamtausgaben (im öffentlichen und privaten Sektor) im Jahr 2023 nominal um 4,9 % (in Dollar) steigen. Dies sei auf höhere Kosten und Löhne zurückzuführen. Real werden die Ausgaben jedoch sinken, da sie nicht mit der Inflation schritthalten können.

Abgesehen von der wirtschaftlichen Frage, die den gesamten Gesundheitssektor unter Druck setzt, geht die EIU davon aus, dass die Regulierungsbehörden weltweit die digitale Dimension des Sektors intensiv überwachen müssen – von elektronischen Krankenakten bis hin zu Online-Apps für den Gesundheitszustand.

Zwischen 2023 und 2027 wird die Europäische Union deshalb 220 Millionen Euro (220 Millionen US-Dollar) in die Entwicklung des European Health Data Space investieren. Dabei handelt es sich um ein segmentspezifisches, grenzüberschreitendes Ökosystem mit gemeinsamen Regeln, Standards und Praktiken sowie Infrastrukturen und Governance-Systemen. Das Projekt soll es ermöglichen, Einzelpersonen die Kontrolle über ihre Gesundheitsinformationen zu geben, den Datenschutz auf der Grundlage der Allgemeinen Datenschutzverordnung zu gewährleisten und gleichzeitig das Zusammenspiel sowie die Zugänglichkeit von Daten zu verbessern. Das Vereinigte Königreich hat einen ähnlichen Aktionsplan, der die Speicherung und den Schutz von Daten zentralisiert, damit Ärzte und Forscher aus der Ferne darauf zugreifen können.

Solche Initiativen werden wahrscheinlich auch andernorts nachgeahmt. So hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versprochen, im Jahr 2023 eine Partnerschaft mit der Europäischen Union zu schließen, um einen ähnlichen Plan umzusetzen. Die Vereinigten Staaten, in denen ein privates Gesundheitssystem vorherrscht, dürften im Jahr 2023 vor einer noch größeren Herausforderung stehen, so die EIU: Hier gilt es, den Schutz gesundheitsbezogener Daten so auszuweiten, dass das vorgeschlagene US-Datenschutzgesetz erfüllt wird.

Es gibt nicht nur Herausforderungen

Spätestens seit der Pandemie geben digitale Technologien Patienten vermehrt Werkzeuge an die Hand, mit denen sie sowohl ihre Selbstfürsorge als auch ihre Beziehung zu den Gesundheitsdienstleistern verbessern können. Dies hat zwar zu besseren klinischen Ergebnissen und einer höheren Lebensqualität beigetragen – erfordert aber auch ein proaktiveres Vorgehen von den Branchenführern, um personalisierte Erfahrungen ohne größere Hindernisse zu gewährleisten. So entstehen neue Herausforderungen, aber auch Chancen.

Dieser Markt für Patientenbindungs-Lösungen ermöglicht es den Gesundheitsorganisationen, mit ihren Patienten zu kommunizieren – und soll bis 2030 ein Volumen von 102,5 Milliarden US-Dollar erreichen (gegenüber 23,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022).

Prognose zum Markt-Wachstum bei Patient Engagement Solutions zwischen 2020 und 2030

Neben Lösungen für die Patientenbindung bietet die künstliche Intelligenz (KI) ein weiteres Potenzial im Bereich der digitalen Gesundheit. Sie kann beispielsweise dazu beitragen, Behandlungen durch datengestützte klinische Entscheidungen zu verbessern und Arbeitsabläufe für verschiedene Gesundheitsberufe zu vereinfachen. Beim Training der KI-Modelle mithilfe von Patienteninformationen sollten die Maßnahmen zum Datenschutz jedoch unbedingt eingehalten werden. Außerdem gilt es, mögliche Verzerrungen (Biases) im Blick zu behalten, die sich bei der Entwicklung von KI-Algorithmen einschleichen können.

Darüber hinaus bietet auch der Einsatz von Robotik einige Chancen für das Gesundheitswesen. Diese Technologie kann vor allem bei einfachen Aufgaben unterstützen, die mit einem gewissen Kontaminationsrisiko verbunden sind – sei es bei der Reinigung der Krankenhausumgebung oder komplexeren chirurgischen Eingriffen. In Kliniken und Ambulanzen kann sie Dienstleistungen wie die Altenpflege, Überwachung zur Sturz-Prävention, Medikamentenverabreichung und sogar patientennahe Dienstleistungen wie Ergotherapie übernehmen.

Wie erwartet, werden mobile Technologien im Jahr 2023 einer der wichtigsten Trends im Gesundheitswesen sein – denn sie bieten einerseits den Unternehmen und andererseits den Nutzern hervorragende Möglichkeiten und Vorteile. Ihre kontinuierliche Überwachung des Gesundheitszustands ermöglicht eine personalisierte Patientenversorgung sowie datengestützte Entscheidungen für Führungs- und Fachkräfte im Gesundheitswesen. Darüber hinaus können Sensoren und Apps Biomarker und individualisierte Daten liefern, die das Behandlungs-Management oder die Krankenbetreuung unterstützen.

Schließlich kann die digitale Technologie auch einen wertvollen Beitrag zur Telemedizin leisten. Diese hat während der Pandemie an Dynamik gewonnen und wird sich weiter durchsetzen, da sie die Überlastung von Ärzten sowie erforderliche Reisen effektiv reduziert. In der Tat müssen diese Systeme noch stark verbessert werden – etwa um einen sicheren und zuverlässigen Zugang für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten (z. B. für Menschen mit Behinderungen und Bewohner ländlicher Gebiete). Auf diesem Weg ließen sich auch zahlreiche Geschäftspotenziale erschließen – denn laut Prognosen von Fortune Business Insight soll der Markt für Telemedizin bis 2027 voraussichtlich 397 Milliarden Dollar erreichen.

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