Microsoft schließt sich Carbon Call an

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Eine der größten Fehlerquellen, die auf dem Weg zur vollständigen Tilgung von Treibhausgasemissionen gemeinsam behoben werden müssen, ist die Messung. So äußerte sich kürzlich Lucas Joppa, Chief Environmental Officer von Microsoft. Nun kündigte er die Teilnahme des Unternehmens an der Initiative Carbon Call an, deren Ziel es ist, die Emissionsbilanzierung zuverlässiger und interoperabler zu machen.

Laut Joppa hat Microsoft seit Beginn seiner Bemühungen um Nachhaltigkeit die Notwendigkeit erkannt, mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten, um eine CO2-neutrale Zukunft zu erreichen. So sagt er: „Als Teilnehmer und Unterzeichner von Carbon Call freuen wir uns darauf, an der Stärkung verantwortungsvoller Stiftungen und der Förderung eines glaubwürdigen globalen Berichtssystems für Emissionen mitzuwirken.“

Carbon Call wird kollektive Maßnahmen, Investitionen und Ressourcen von akademischen, unternehmerischen, philanthropischen und zwischenstaatlichen Einrichtungen mobilisieren. Der Zugang zu zuverlässigen sowie aktuellen wissenschaftlichen Daten und Ressourcen soll so erleichtert werden, um einen besseren Informationsaustausch zwischen den Systemen zur Kohlenstoffbilanzierung zu ermöglichen.

Die verlässliche Messung und Bilanzierung von Treibhausgasemissionen ist eine wesentliche Voraussetzung für wirksame und sichere Maßnahmen. Eine Analyse der Washington Post hat jedoch ein Defizit aufgedeckt: In den Berichten, die viele Länder an die Vereinten Nationen übermitteln, werden nicht genug Angaben gemacht. So ergab eine Analyse aus 196 Ländern, dass möglicherweise zwischen 8,5 und 13,3 Milliarden Tonnen an Emissionen im Jahr schlichtweg nicht angegeben werden.  

„Bei so vielen Organisationen, die sich zu Nullemissionen verpflichten, fehlt vor allem ein wichtiges Element: ein transparentes und interoperables System zur Verfolgung, Berichterstattung und zum Vergleich von Emissionen sowie Treibhausgasreduzierungen. Carbon Call ist ein gemeinschaftliches Projekt, das die Verlässlichkeit der Kohlenstoffbilanzierung fördern wird – auf Unternehmens-, nationaler und globaler Ebene. Wir ermutigen alle Organisationen, die sich für eine CO2-neutrale Wirtschaft einsetzen, sich uns anzuschließen“, sagte Joppa.

Aktuell gibt es bei der Kohlenstoffbilanzierung Probleme bezüglich der Datenqualität, uneinheitlicher Messungen und Berichte, isolierter Plattformen sowie Infrastrukturproblemen. All dies macht es schwierig, zuverlässige Daten zu vergleichen, zu kombinieren und auszutauschen.

Carbon Call hat die Absicht, Lücken in den derzeitigen globalen Buchhaltungssystemen für CO2-Emissionen aufzudecken und zu beheben. Gemeinsam soll herausgefunden werden, wo genauere Informationen nötig sind, um die Zuverlässigkeit und Interoperabilität zu verbessern. Dies betrifft sowohl die Berichte als auch die Ökosysteme, die Daten liefern.

Carbon Call ist eine von der ClimateWorks Foundation organisierte Initiative. Neben Microsoft gehören folgende Organisationen ebenfalls dazu: Capricorn Investment Group, Climate Change AI, Corporate Leaders Group Europe, Global Carbon Project, Global Council for Science and the Environment, International Science Council, LF Energy, Linux Foundation, Mila, Skoll Foundation, Stanford Woods Institute for the Environment, United Nations Environment Programme (kooperierende Organisation) und die United Nations Foundation.

Die Unterzeichner des Carbon Call fördern die notwendigen Voraussetzungen, um ein zuverlässigeres und interoperableres globales System für die Berichterstattung über die Kohlenstoffbilanz (oder Hauptbücher) zu entwickeln. Zu diesem Zweck verpflichten sich diese Unternehmen, jährlich in transparenter und umfassender Weise ihre Treibhausgasemissionen und Kompensationsdaten anzugeben – einschließlich aller Emissionsbereiche und -klassen. Zu den Unterzeichnern gehören die Capricorn Investment Group, EY, GSK, KPMG, Microsoft und Wipro.

Microsoft ist der einzige Hyperscaler, der sich am Carbon Call beteiligt. Kein einziger Betreiber von Netzwerken hat die ursprüngliche Erklärung unterzeichnet. Das bedeutet jedoch nicht, dass Nachhaltigkeit und Effizienz für die Telekommunikationsbranche keine vorrangigen Themen sind. Da die Betreiber neue 5G- und IoT-Dienstangebote einführen, wird die Effizienz durchaus eine Schlüsselrolle spielen.

Konnektivitätstechnologie gegen Kohlenstoff-Emissionen

Laut einer von der CTIA in Auftrag gegebenen Accenture-Studie werden 5G-Technologien eine wichtige Rolle dabei spielen, dass beispielsweise die USA die Klimaziele der Biden-Regierung erreichen können. Einer Prognose nach können die Anwendungsbereiche von 5G bis zu 20 % zu den Landeszielen bezüglich der Reduzierung von Kohlenstoffemissionen bis 2025 zusteuern.

Der Bericht gibt an, dass die Anwendung von 5G bis 2025 eine Verminderung von bis zu 330,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent (MMtCO2e) ermöglichen werden. Dies entspricht der Entfernung von 26 % aller PKWs von den US-Straßen für ein Jahr – oder etwa 72 Millionen Autos.

Insgesamt untersuchte die Studie 31 Anwendungsfälle von 5G in fünf vertikalen Bereichen: Verkehr und Städte, Fertigung, Gebäude und Energie, Landwirtschaft und Arbeit sowie Leben und Gesundheit. Die 5G-Szenarien in den Bereichen Verkehr und Städte könnten in den USA bis zu 86,5 MMtCO2e an CO2-Einsparung bewirken – beispielsweise durch weniger Staus und Motor-Leerlauf an Ampeln, optimierte Routen und nachhaltigere öffentliche Verkehrsmittel.

Dagegen könnten die 5G-Nutzungsfälle in der Fertigungsbranche der USA insgesamt bis zu 67,4 MMtCO2e an Kohlenstoffreduzierung hervorrufen. Gründe hierfür wären eine bessere Bestandsverwaltung, eine Echtzeit-Überwachung der Anlagen und eine verbesserte Nutzung der Technologie.

5G-Anwendungsbereiche in den Kategorien Gebäude und Energie können auf folgende Weise die Emissionen reduzieren: Einsparen von Energie durch Echtzeitüberwachung, Erhöhung des Verbrauchs von erneuerbaren Energien sowie eine Verringerung des Pendlerverkehrs durch die Bereitstellung von Fernsteuerungsfunktionen. Voraussichtlich werden die 5G-Anwendungsfälle für saubere Energie eine Emissionsreduzierung von bis zu 5,4 MMtCO2e ermöglichen, während die 5G-Szenarien in intelligenten Gebäuden eine Emissionsreduzierung von 62,5 MMtCO2e bewirken dürften.

In der 5G-Konnektivität liegt außerdem das Potenzial, die Emissionen des Landwirtschaftssektors zu verringern. Die Unterstützung von 5G-Anwendungsfällen ist dabei maßgebend, da sie beispielsweise die landwirtschaftliche Produktivität steigern und Ressourcenverschwendung vermindern. Accenture schätzt, dass 5G-Technologien bis 2025 zur Reduzierung von bis zu 27,8 MMtCO2e an Kohlenstoffemissionen beitragen könnten.

Abschließend wird auch in den Bereichen Leben und Gesundheit erwartet, dass 5G-Netze eine Verringerung der Emissionen ermöglichen werden: Schließlich ist mit einem Nutzungszuwachs in den Bereichen Telekonferenzen, Heimarbeit und Telemedizin zu rechnen.

Quelle: Accenture
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