Healthtech-Markt wird 2022 neu definiert

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In einem kürzlich erschienenen Bericht der Silicon Valley Bank wurden die neuesten Investitionstrends im sogenannten Healthtech-Sektor vorgestellt. Darüber hinaus wurde im Bericht aufgezeigt, wo sich der Großteil des Risikokapitals konzentriert. Der Studie zufolge hat sich die Entwicklung im Jahr 2022 verlangsamt. Die Investitionen in Mega-Deals sind um 40 % zurückgegangen – das geht insbesondere darauf zurück, dass sich der Markt nach seiner ungewöhnlichen Aktivität im letzten Jahr wieder neu ausrichten muss. Es gibt jedoch immer noch enorme Wachstumschancen, da die Investitionen in Unternehmen aus der Healthtech-Branche in den USA und Europa bis Ende des Jahres voraussichtlich 27 Milliarden US-Dollar erreichen werden.

Die Investitionen in Gesundheitstechnologie betrugen in den USA, der EU und dem Vereinigten Königreich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 rund 23 Milliarden US-Dollar. Dabei ist ein besonders starker Rückgang im dritten Quartal zu verzeichnen: ein Minus von 39 % gegenüber dem zweiten Quartal 2022 und von 67 % gegenüber dem Höchststand im zweiten Quartal 2021.

Der Studie der Silicon Valley Bank zufolge haben Inflation, globale geopolitische Faktoren sowie steigende Zinssätze zu Turbulenzen auf dem Markt geführt und Börsengängen in der Gesundheitstechnologie den Garaus gemacht. Im Jahr 2022 hat der Bericht in den USA oder der Europäischen Union bisher keine Börseneinführungen von Healthtech-Unternehmen verzeichnet, die mit Risikokapital finanziert wurden. Darüber hinaus sind die Aktien von Unternehmen aus dem Healthtech-Bereich im Rekordtempo gefallen.

Andererseits stiegen die mit Risikokapital finanzierten Fusionen und Übernahmen in den ersten drei Quartalen 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 16 %.

Schaubild zu Deals und Investments im Sektor Gesundheitstechnologie von 2019-2022.
Quelle: PitchBook

„Alles deutet darauf hin, dass eine Neudefinition des Healthtech-Marktes im Gange ist: Weg von einer Ära des Wachstums um jeden Preis und hin zu einer Ära, in der die Wertschöpfung klar im Vordergrund steht – sei es durch bessere Ergebnisse, besseren Zugang oder leichtere Erschwinglichkeit von Gesundheitsmaßnahmen“, so eine Erkenntnis aus der Studie. Im gleichen Zug wurde festgestellt, dass es für Healthtech-Unternehmen immer noch enorme Wachstumschancen gibt. Die Studie kommt letztendlich zu dem Schluss, dass der Sektor im Jahr 2022 vor neuen Herausforderungen steht. Gleichzeitig ist er jedoch reif für Innovationen und widerstandsfähiger gegen Rezessionsphasen.

Wo in die Gesundheitstechnologie investiert wird

Das nachstehende Diagramm aus dem Bericht der Silicon Valley Bank zeigt, wo Risikokapital in Technologien für das Gesundheitswesen investiert wird:

Workflow-Optimierung – 5 Milliarden US-Dollar, Plattformen für die Arzneimittelforschung – 4 Milliarden US-Dollar, Klinische Entscheidungshilfe – 3 Milliarden US-Dollar, Primärversorgung – 2 Milliarden US-Dollar, Psychische Gesundheit – 2 Milliarden US-Dollar, Gesundheit und Wellness – 1 Milliarde US-Dollar

Schaubild zu Herausforderungen im Gesundheitssektor und deren Lösung durch die Investitionen verschiedener Unternehmen aus dem Healthtech-Bereich
Quelle: Silicon Valley Bank

Erwähnenswert ist auch, dass von Frauen gegründete Healthtech-Unternehmen im Jahr 2022 einen neuen Rekord aufstellten: Sie erhielten einen Anteil von 19 % des gesamten investierten Kapitals. Diese Zahl liegt vor den Risikokapitalinvestitionen, die in anderen Segmenten als der Gesundheitstechnologie getätigt wurden – darunter Biopharmazeutika und Geräte.

Darüber hinaus werden von Frauen gegründete Unternehmen immer häufiger – und ihre Wertungen steigen. Zwei Unternehmen haben 2022 den sogenannten Einhorn-Status erreicht (Bellabeat und Wheel). Und obwohl die Einschätzungen im Bereich der Gesundheitstechnologie gegenüber ihrem Höchststand im Jahr 2021 insgesamt gesunken sind, gab es 2022 mehr von Frauen gegründete Unternehmen mit einem Wert von über 100 Millionen US-Dollar (insgesamt waren es 29). Das entspricht einem Anstieg von 12 % gegenüber dem Vorjahr.

Quelle: Silicon Valley Bank

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die höhere Zahl von Gründerinnen unter den wertvollsten Healthtech-Unternehmen einen vielversprechenden Fortschritt darstellt. „Diese Vielfalt kann bessere Lösungen für die schwierigsten Probleme im Gesundheitswesen hervorbringen. Darüber hinaus können Frauen eine andere Sichtweise auf die Herausforderungen einbringen und sich besser mit der weiblichen Kundschaft identifizieren.“

Ein weiteres Highlight im Bericht der Silicon Valley Bank findet sich im Segment der psychischen Gesundheit. Unternehmen aus diesem Sektor waren im vergangenen Jahr zwar nicht immun gegen die Schwächung des Marktes – und auch die Investitionen gingen gegenüber den höheren Werten von 2021 zurück. Während jedoch der allgemeine Healthtech-Sektor 2022 einen Rückgang bei den Transaktionsgrößen und der Bewertung erlebte, verzeichneten Mental-Health-Unternehmen einen Anstieg.

Viele Mental-Health-Lösungen haben sich in diesem Jahr auf Plattformen ausgebreitet, wobei bis 2021 die bisher höchsten Summen an investiertem Kapital erreicht wurden. Die Nachfrage nach diesen Lösungen steigt indes weiter an. Dabei wirken die Marktführer im Bereich psychische Gesundheit auch der Knappheit an Angeboten entgegen, die mittlerweile einen kritischen Punkt erreicht hat. Insbesondere das sogenannte Hybrid Fulfillment Model erfreut sich zunehmender Beliebtheit, indem mithilfe virtueller Optionen den Zugang zu Gesundheitsangeboten erleichtert – und dabei sogar die Kosten verringert.

Die Studie der Silicon Valley Bank prognostiziert zu guter Letzt, dass die Nachfrage nach Mental-Health-Lösungen weiter steigen wird und die Investitionen in diesem Sektor bis 2023 stabil bleiben.

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