Die nachhaltige Zukunft von Rechenzentren

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Die Energiekosten steigen und die Ressourcen werden knapper: Nachhaltigkeit ist deshalb ein immer relevanteres Thema in den Vorstandssitzungen von Unternehmen. So stehen vor allem Führungskräfte aus der IT sowie im Bereich Infrastructure and Operations (I&O) unter Druck, den Betrieb von Rechenzentren in Zukunft kosteneffizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Gartner hat vor kurzem einige Empfehlungen für die Betreiber von Rechenzentren vorgestellt. So sollen den kommenden Jahren effizientere Schritte in Richtung einer nachhaltigen Umgebung möglich sein.

Eine dieser Maßnahmen besteht darin, Ressourcenverschwendung mithilfe einer Echtzeit-Integritätsanalyse zu vermeiden und so die Nutzungsdauer der Anlagen zu maximieren. Einige Rechenzentren waren so in der Lage die Lebensdauer ihrer Infrastruktur, sie sich vorher zwischen drei und fünf Jahren betrug, auf fünf bis sieben Jahre zu verlängern. Durch diesen Beitrag sollen außerdem die OPEX-Zyklen optimiert und die CAPEX-Investitionen für die Aufrüstung von Rechenzentren reduziert werden.

Darüber hinaus können Nachhaltigkeitsmaßnahmen zur Optimierung der Energieeffizienz und des Stromverbrauchs beitragen. Daher ist es entscheidend zu ermitteln, an welcher Stelle und wie sich die Rechenzentrumsinfrastruktur verbessern lässt, um weniger Strom zu verbrauchen – ohne den Betrieb zu beeinträchtigen. Anfang des Jahres hat Gartner den geschätzten Stromverbrauch von Rechenzentren nach Gerätetyp (PUE) ermittelt. Das Ergebnis: Server, Kühlung und Stromversorgungssysteme benötigen am meisten Energie. In Anbetracht dessen könnte man beispielsweise die Konsolidierung und Entfernung unnötiger Hardware in Erwägung ziehen. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens spart bereits die Außerbetriebnahme eines einzelnen Servers jährlich 500 US-Dollar an Energiekosten, 500 US-Dollar für die Betriebssystemlizenzen und 1.500 US-Dollar an Wartungskosten ein.

Auch der Einsatz effizienterer Kühltechniken ist eine Möglichkeit – z. B. mithilfe von Warm- oder Kaltgangkonfiguration, die Kühlung mit gefilterter Luft, eine Computeranalyse der Luftströmungsdynamik oder Kühlungstechnologien mit Flüssigkeiten.

Um Rechenzentren nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten, bieten sich zudem Strategien zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes und des Wasserverbrauchs sowie zur Entsorgung des Elektronikabfalls an. Um diese Ziele zu erreichen, könnten beispielsweise entsprechende Kompensationsprogramme, Umlaufwirtschaftsprojekte zum Recycling von Materialien und der Rückgewinnung wertvoller und umweltschädlicher Materialien zum Einsatz kommen.

Gartner merkt an, dass es keinen universellen Standard für die Erfolgsmessung der IT-Nachhaltigkeitsziele gibt. Stattdessen variieren die Messrahmen je nach Region, Branche und Anspruchsniveau. Das Institut empfiehlt deshalb die folgenden drei Schritte für die Einleitung der ökologische Nachhaltigkeitsziele:

1. Erstellen Sie eine grundlegende Nachhaltigkeitsbewertung, indem Sie alle relevanten Daten ermitteln und überwachen – zum Beispiel die Auslastung von Servern und Speichersystemen, die Energieeffizienz (PUE) von Rechenzentren (oder des Cloud-Dienstleisters) oder die Anzahl der Geräte pro Mitarbeiter.

2. Legen Sie spezifische, realistische und messbare Ziele für die Reduzierung von CO2-Emissionen oder Abfällen fest, die auf den Daten des Unternehmens basieren. Vergessen Sie nie: Nachhaltiges Wirtschaften ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

3. Optimieren Sie Nachhaltigkeitsprozesse und -partnerschaften, indem Sie einen Verantwortlichkeitsbereich definieren und Richtlinien für ihre Mitarbeiter, Prozesse, Technologien und Geschäftstätigkeiten festlegen. An der Personalfront können CIO sowie I&O-Führungskräfte die Entwicklung von Teams in nachhaltigen Arbeitsweisen fördern. Außerdem lassen sich über diese Ebene Wiederverwendungs- und Recyclingrichtlinien im technologischen Bereich implementieren und Abfallprozesse festlegen. Auf Unternehmensebene ist auch die Einführung von SLAs mit nachhaltigen IT-Kennzahlen möglich, z. B. einem Gesamtbudget für den Energieverbrauch pro zusätzlichem Service-Level.

Im Laufe des Jahres 2022 berichtete die Website Data Center Knowledge über Initiativen für nachhaltige Rechenzentren und stellte eine Liste der wichtigsten Ideen vor.

Betreiber bedeutender Infrastrukturen haben im Rahmen ihrer Strategien zur CO2-Neutralität in „saubere“ Energie investiert. Dieser Trend wird sich voraussichtlich auch 2023 fortsetzen. Auf innovativerer Ebene wurde 2022 in Immersionskühlungsprojekte sowie in das Kühlen von Servern und anderer Geräte durch nichtleitende Flüssigkeiten investiert – was eine hocheffiziente Kühlung ermöglichen soll.

Ein weiteres Unterfangen ist die Nutzung von Wasserstoff als Energiequelle für Rechenzentren. Die Technologie, um dies in großem Maßstab zu realisieren, existiert jedoch noch nicht. Dennoch gibt es bereits erfolgreiche Proof-of-Concept-Analysen, die zeigen, dass Wasserstoffzellen Dieselgeneratoren als Backups für Rechenzentren ersetzen können. Obwohl es noch zu früh ist, echte Begeisterung für diese Art von Energiequellen auszurufen, sind die Befürworter von Nachhaltigkeitsinitiativen optimistischer denn je.

Neben dem Energieverbrauch ist 2022 auch das Bewusstsein für den Wasserverbrauch in Rechenzentren gestiegen. Dennoch gilt es, die Augen offen zu halten. Bloomberg berichtete, dass viele der weltweit größten Unternehmen auf dem Papier enorme ökologische Fortschritte verkünden, die sich in der Praxis allerdings oft nicht verwirklichen lassen. Auch andere Tech-Giganten haben sich gegen Projekte für erneuerbare Energien in den Vereinigten Staaten ausgesprochen – was einige Zweifel am Engagement für die Nachhaltigkeit von Rechenzentren aufkommen lässt.

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