Amazon kauft die Gesundheits-Plattform One Medical

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Im Juni gelang Oracle eine der größten Akquisitionen im Wert von 28,3 Milliarden US-Dollar: die Übernahme von Cerner, einem Unternehmen, das Informationssysteme für Krankenhäuser und andere Organisationen im Gesundheitsbereich anbietet. Nun setzt Amazon zu einem weiteren Versuch an. Big Tech hat soeben den Kauf von One Medical für 3,9 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. Dies ist die drittgrößte Akquisition von Amazon – übertroffen wird sie nur durch die Übernahme von Whole Foods für 13,7 Milliarden US-Dollar und MGM für 8,5 Milliarden US-Dollar. Damit ist sie auch die größte Übernahme im Gesundheitsbereich, in dem Amazon folglich große Geschäftsmöglichkeiten sieht.

One Medical ist ein Netzwerk von Grundversorgungskliniken, die nach einem Abonnementmodell arbeiten und in erster Linie Unternehmen bedienen – in ähnlicher Weise wie die Krankenversicherungspläne in anderen Länden. Insgesamt erbringt One Medical Dienstleistungen für über 700.000 Nutzer in mehr als 8.000 Unternehmen. Von Januar bis März hat One Medical 252 Millionen US-Dollar fakturiert, aber einen Verlust von 90 Millionen verzeichnet.

Amazon dringt schon seit Jahren in das Gesundheitssystem vor: Im Jahr 2018 kaufte der Shopping-Gigant die Online-Apotheke PillPack und schuf 2019 außerdem den telemedizinischen Dienst Amazon Care. Auf diese Weise baute Amazon ein Ökosystem auf, mit dem es die Bedürfnisse der Kunden von Anfang bis Ende erfüllen kann. Die Person vereinbart einen Termin mit einem Spezialisten, lässt sich das Rezept online ausstellen, bestellt ein Medikament und bekommt es nach Hause geschickt. Die Entwicklung einer medizinischen Diagnoselösung, für die der Patient sein Haus nicht mehr verlassen muss, schließt den Kreis.

Nach Ansicht von Neil Lindsay, Senior Vice President von Amazon Health Services, steht das Gesundheitswesen ganz oben auf der Liste der Erfahrungen, die neu erfunden werden müssen. Es gibt viele Möglichkeiten, das Erlebnis bei Arztterminen und Untersuchungen zu verbessern und den Menschen wertvolle Zeit zurückzugeben. „Wir glauben, dass wir durch den menschenzentrierten, technologiegesteuerten Ansatz von One Medical mehr Menschen dabei helfen können und werden, eine bessere Gesundheitsversorgung zu erhalten – wann und wie sie sie brauchen“, erklärt der Amazon-Manager.

Amazon wird One Medical für 18 US-Dollar pro Aktie in einer Bartransaktion mit einem Wert von etwa 3,9 Milliarden US-Dollar übernehmen, einschließlich der Nettoverschuldung von One Medical. Der Abschluss der Transaktion unterliegt den üblichen Bedingungen sowie der Zustimmung der Behörden und der Aktionäre von One Medical.

Zu Amazons früheren Vorstößen in das Gesundheitswesen gehören weiterhin ein 1-Milliarden-Dollar-Geschäft, das es ermöglicht, Medikamente in die gesamten Vereinigten Staaten zu versenden. Außerdem bestand das Vorhaben, die Gesundheitsversorgung von Unternehmen für ihre Mitarbeiter neu zu gestalten. Beide Projekte waren dem Bericht zufolge nicht sehr erfolgreich.

Einem Artikel in der New York Times zufolge wird Amazon durch diese jüngste Übernahme Zugang zu mehr Daten erhalten. So hat One Medical in den letzten 15 Jahren sein eigenes elektronisches Aufzeichnungssystem aufgebaut, das medizinisches Datenmaterial und Informationen des Gesundheitssystems umfasst. Amazons Fachwissen im Bereich der Big-Data-Analytik könnte im Gesundheitswesen sehr nützlich sein, zum Beispiel bei der Kostenvorhersage sowie der Entwicklung von Medikamenten und Behandlungen.

Darüber hinaus weist die Washington Post (die übrigens dem Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört) darauf hin, dass One Medical über eine App und eine Website verfügt, über die die Mitglieder Termine buchen, Krankenakten verfolgen und Rezepte verlängern können. Darüber hinaus bietet die App eine Reihe von Dienstleistungen, wie z. B. jederzeit verfügbare Gesundheitsberatungen per Video-on-Demand. Dafür zahlen die Nutzer eine Jahresgebühr von 199 Dollar – das weckt Erinnerungen an Amazon Prime, Amazons exklusives Abo-Vorteilssystem, oder?

Amazon wird One Medical wahrscheinlich als eigenständige Tochtergesellschaft mit eigener Marke betreiben – ähnlich wie Whole Foods. Dabei hofft das Unternehmen, Gesundheitsdienste mit seinem Prime-Angebot zu bündeln und/oder durch die Integration von One Medical, Whole Foods und Apothekendiensten einzigartige persönliche Erfahrungen zu schaffen. Jedes dieser Szenarien wird Amazon One Medical wahrscheinlich Schritt für Schritt erproben. Indem Amazon den Service zunächst auf seine eigenen Mitarbeiter ausweitet, von denen ein Großteil in Vertriebszentren in unmittelbarer Nähe zu bestehenden One-Medical-Einrichtungen arbeitet, könnte das Unternehmen möglicherweise in den Gesundheitsdienst einsteigen – ein Markt, in den „Big Tech“ in der Vergangenheit nicht vorgedrungen ist.

Ein weiterer großer Name im Gesundheitswesen

Ein weiterer Big Player, der sich im Gesundheitswesen engagiert, ist Google. Letzte Woche gab Google Cloud eine Partnerschaft mit dem Health Information Sharing and Analysis Center (Health-ISAC) als Botschafter bekannt. Das Unternehmen ist der erste und einzige große Cloud-Anbieter, der sich dieser gemeinnützigen Organisation anschließt. Diese bietet Interessenvertretern des Gesundheitswesens eine Gemeinschaft und ein Forum, um sich zu koordinieren, zusammenzuarbeiten und wichtige Informationen über physische und Cyber-Bedrohungen sowie Best Practices auszutauschen.

Als Ambassador-Partner wird Google Cloud Experten und Ressourcen in die Gruppe einbringen, darunter den Threat Horizon Report und das Google Cybersecurity Action Team. Die so genannten Googler werden eng mit führenden Vertretern der globalen Gesundheitsbranche zusammenarbeiten, Wissen austauschen und sichere Technologien implementieren.

„Die Partnerschaft mit Health-ISAC ergibt absolut Sinn, da wir die gleiche Vision teilen: Der Aufbau eines sicheren und vertrauenswürdigen Ökosystems im Gesundheitswesen ist unsere gemeinsame Verantwortung und trägt dazu bei, die Werte des gegenseitigen Respekts und Schutzes zu wahren. Diese Partnerschaft sollte andere Organisationen mit anderen Fähigkeiten und Ressourcen dazu inspirieren, sich uns anzuschließen“, sagt Phil Venables, Director of Security bei Google Cloud.

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