{"id":7345,"date":"2022-12-29T12:03:39","date_gmt":"2022-12-29T12:03:39","guid":{"rendered":"https:\/\/network-king.net\/wifi-sensing-wie-wlan-router-atemprobleme-erkennen\/"},"modified":"2022-12-29T12:05:38","modified_gmt":"2022-12-29T12:05:38","slug":"wifi-sensing-wie-wlan-router-atemprobleme-erkennen","status":"publish","type":"articles","link":"https:\/\/network-king.net\/de\/wifi-sensing-wie-wlan-router-atemprobleme-erkennen\/","title":{"rendered":"WiFi-Sensing: Wie WLAN-Router Atemprobleme erkennen"},"content":{"rendered":"\n<p>WiFi-Router haben das Potenzial, neue Verb\u00fcndete in der Gesundheitsvorsorge zu sein: Der Deep-Learning-Algorithmus BreatheSmart k\u00f6nnte k\u00fcnftig in der Pr\u00e4vention von Atemproblemen eine wesentliche Rolle einnehmen. Er wurde vom National Institute of Standards and Technology (NIST), einer US-Organisation, entwickelt und kann winzige Ver\u00e4nderungen in der \u00dcbertragung von Routern analysieren \u2013 und so helfen festzustellen, ob jemand in der Umgebung Atemprobleme hat. Doch wie funktioniert das Ganze?<\/p>\n\n\n\n<p>WiFi-Router senden st\u00e4ndig Funkfrequenzen aus. Diese werden reflektiert oder durchdringen W\u00e4nde, M\u00f6bel und sogar den menschlichen K\u00f6rper. Genau hier kommt der Algorithmus der k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) ins Spiel. K\u00f6rperbewegungen \u2013 einschlie\u00dflich Atembewegungen \u2013 ver\u00e4ndern den Signalweg geringf\u00fcgig und k\u00f6nnen anzeigen, ob jemand Atemprobleme hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die fr\u00fchere Forschung des NIST befasste sich mit der Verwendung von WiFi-Signalen zur Identifizierung von Personen oder Bewegungen. Oftmals erforderten die untersuchten L\u00f6sungen spezielle Devices, zudem waren die Ergebnisse limitiert. In der Zusammenarbeit mit anderen Forschern des Food and Drug Administration&#8217;s (FDA) Center for Devices and Radiological Health fand man einen neuen Weg, aktuelle WiFi-Router-Modelle zu nutzen, um die Atemfrequenz einer Person in der Umgebung zu messen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie funktioniert das Ganze genau? Die WiFi-Technologie sendet Signale vom Ger\u00e4t (einem Mobiltelefon oder Laptop) an den Zugangspunkt (den Router). Da diese vom Ger\u00e4t gesendeten Signale immer gleich sind, wei\u00df der Zugangspunkt bereits, wie sie empfangen werden sollen. Auf ihrem Weg durch die Umgebung werden sie jedoch verzerrt \u2013 beispielsweise, wenn sie an Gegenst\u00e4nden abprallen. Das wirkt sich schlussendlich auch auf die Signalst\u00e4rke aus. Der Zugangspunkt analysiert dann den Anteil der Verzerrung, um die Verbindung anzupassen und zu optimieren. Diese grundlegende Funktionalit\u00e4t machten sich die Forscher zunutze.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team \u00e4nderte die Firmware des Routers, um die Signalstr\u00f6me h\u00e4ufiger abzufragen \u2013 bis zu 10 Mal pro Sekunde. So gelang es, ein detailliertes Bild davon zu erhalten, wie sich die Signale ver\u00e4nderten. W\u00e4hrend der Forschungsarbeiten nahm eine Puppe die zentrale Rolle ein: Sie ahmte verschiedene Atemzust\u00e4nde nach: von normaler Atmung bis hin zu abnorm langsamer (Bradypnoe), abnorm schneller (Tachypnoe), Asthma, Lungenentz\u00fcndung und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forscher konnten beobachteten, dass sich die WiFi-Signale \u00e4nderten, wenn sich der K\u00f6rper w\u00e4hrend der Atmung bewegt: So macht der Brustkorb beim Keuchen oder Husten andere Bewegungen als bei normaler Atmung. Die Forscher zeichneten die Daten aus den Signalstr\u00f6men auf und analysierten sie mithilfe des vom NIST entwickelten Deep-Learning-Algorithmus BreatheSmart. Es gelang, Muster zu erkennen, die auf verschiedene Atemprobleme hinweisen. Interessant ist dabei die Trefferquote: Der Algorithmus klassifizierte in 99,54 % der F\u00e4lle verschiedene Atemmuster, die mit der Testpuppe simuliert wurden, erfolgreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Forschern zufolge gibt es ein gro\u00dfes Interesse an der Nutzung von WiFi-Signalen f\u00fcr Sensing-Programme (WiFi Sensing). Sie hoffen, dass App-Entwickler den in der Arbeit vorgestellten Prozess als Rahmen nutzen werden, um L\u00f6sungen f\u00fcr die Fern\u00fcberwachung der Atmung zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das NIST-Papier wurde k\u00fcrzlich in <a href=\"https:\/\/ieeexplore.ieee.org\/document\/9989347\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IEEE Access<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-mehr-uber-wifi-sensing\">Mehr \u00fcber WiFi-Sensing<\/h2>\n\n\n\n<p>Die WiFi-Sensing-Technologie wird vor allem zur Erkennung und Auswertung von Anwesenheits- und Bewegungsdaten eingesetzt. Im Allgemeinen erfolgt die Arbeit in zwei Stufen: Zun\u00e4chst erfolgt die Vorverarbeitung und Filterung der von den WiFi-Ger\u00e4ten stammenden Rohdaten (Daten, die als CSI oder Channel State Information bekannt sind); danach geht es an die Verarbeitung auf h\u00f6herer Ebene, bei der k\u00fcnstliche Intelligenz und Algorithmen des maschinellen Lernens eingesetzt werden. Sie analysieren die Daten und wenden diese auf anspruchsvollere Interpretationen, wie z. B. Atemprobleme, an.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die WiFi-Sensing-Technologie mehrere Vorteile bietet, wie z. B. eine einfache Installation, Datenschutz, Interoperabilit\u00e4t und Erkennung au\u00dferhalb der Sichtlinie, gibt es auch Einschr\u00e4nkungen. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die WiFi-Sensing-Technologie mehrere Vorteile bietet, wie z. B. eine einfache Installation, Datenschutz, Interoperabilit\u00e4t und Erkennung au\u00dferhalb der Sichtlinie, gibt es auch Einschr\u00e4nkungen. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n\n\n\n<p>2) Signalverdeckung, wenn Objekte die \u00dcbertragung behindern;<\/p>\n\n\n\n<p>3) Sie ist nicht f\u00fcr den Einsatz in offenen oder \u00fcberf\u00fcllten Umgebungen geeignet, welche die Signalst\u00e4rke verringern;<\/p>\n\n\n\n<p>4) Die \u00dcbertragungsdistanz ist begrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.ieee802.org\/11\/Reports\/tgbf_update.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IEEE 802.11bf-Gruppe<\/a> arbeitet an der Entwicklung eines neuen Standards speziell f\u00fcr die WLAN-Sensorik, der bis 2024 fertiggestellt sein soll. Angesichts des breiten Spektrums an Anwendungsf\u00e4llen, insbesondere im Internet der Dinge (IoT), im Gesundheitswesen und in intelligenten H\u00e4usern, d\u00fcrfte es schon bald eine Welle von Produkteinf\u00fchrungen mit WiFi-Sensing-Funktionen geben.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnte WiFi Sensing beispielsweise eine Option f\u00fcr die \u00dcberwachung des Gesundheitszustands \u00e4lterer Menschen sein, die keine Wearables tragen wollen. Auch die Automobilindustrie k\u00f6nnte die Technologie einsetzen, um zu verhindern, dass Familien ihre Kinder versehentlich auf dem R\u00fccksitz eines Fahrzeugs zur\u00fccklassen. In der Geb\u00e4ude- und Immobilienverwaltung k\u00f6nnte WiFi-Sensing f\u00fcr Sicherheitszwecke und zur Automatisierung von Beleuchtungs- und K\u00fchlsystemen eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/community.intel.com\/t5\/Blogs\/Tech-Innovation\/Client\/Wi-Fi-Sensing-Adding-Sensing-Capability-To-Intel-Wireless\/post\/1416624\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Intel<\/a> verwendet die WiFi-Sensing-Technologie bereits in seiner Core-Prozessorfamilie der 13. Generation. Sie erkennt, wenn sich eine Person dem Ger\u00e4t n\u00e4hert und holt es aus dem Standby-Modus. Ebenso kann WiFi-Sensing erkennen, wenn eine Person den Arbeitsplatz verl\u00e4sst, und den Computer automatisch sperren.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Funktionen, die auf dieser Technologie basieren, befinden sich derzeit noch in der Entwicklung \u2013 darunter die Erkennung von Atembewegungen und anderen k\u00f6rperlichen Aktivit\u00e4ten. Ein erster Prototyp wurde im vergangenen September auf der Intel-Innovationsveranstaltung vorgestellt. Intel gab bekannt, dass sich das Unternehmen k\u00fcnftig stark in der IEEE 802.11bf Arbeitsgruppe engagiert und dass Erkennungssysteme \u00fcber WiFi f\u00fcr neue, unternehmensspezifische L\u00f6sungen unerl\u00e4sslich werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WiFi-Router haben das Potenzial, neue Verb\u00fcndete in der Gesundheitsvorsorge zu sein: Der Deep-Learning-Algorithmus BreatheSmart k\u00f6nnte k\u00fcnftig in der Pr\u00e4vention von Atemproblemen eine wesentliche Rolle einnehmen. 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